Monatsarchiv: Oktober 2017

La Cancha – Flachbildschirme, Ballkleider , geklaute Handys !!!

Ein Areal, Verkäufer, alles, was dein Herz begehrt: La Cancha!!!!

Die Cancha ist eines der beeindruckensten Phänomene, denen ich bis jetzt hier begegnet bin.

„La Cancha“ ist spanisch für „der Platz“ und bezeichnet den großen, zentralen Marktplatz in Cochabamba.

Falls ihr euch wundert „so viel ist doch gar nicht los“ wir waren bei diesem Bild auch am Montagmorgen unterwegs, was nicht gerade der Stoßzeit entspricht 🙂

Wobei man Platz eigentlich nicht sagen kann. Das Areal, teilweise kleine Hallen oder überdachte Gänge mit lauter kleinen Läden, ist so unübersichtlich, wie es belebend und sinnesüberfordernd ist.

Der Blick von oben drauf würde mich echt mal interessieren, da ich aber weder nen Hubschrauber noch ne Drohne hab und Google bis jetzt noch nicht so viel hergibt, muss ich mich mit dem Blick von vorne begnügen. Spenden dieser Hinsicht werden sehr gerne angenommen 😀

Du kommst mit dem Truffi an und bist zu Beginn bei lauter Fahrradreparaturläden (wobei Läden 4qm (wenn überhaupt) bedeutet, vor denen die Händler sitzen), während auf der Straße fahrenden Wägelchen Ananasstücke, frisch gepresster Orangensaft, salziges Popcorn, verschiedene Mittagessen und vieles mehr verkaufen.

Weiter geht die Reise an Straßenständen und Wägen vorbei. Was? Du sagst 10 Blumenstände nebeneinander sind unlogisch?

Ja, sag ich auch, aber des stört hier keinen. 😀

Ganz viele Leute breiten auch einfach eine Decke auf dem Gehsteig aus und verkaufen da , was sie eben gerade anzubieten haben 😀

Alles an Obst & Gemüse, was du brauchst, und dabei so lecker aussehend , dass du gleich reinbeißen möchtest 😀

Irgendwann beschließt du, du wagst dich hinein ins große Ungewisse, mit der Hoffnung, auch wieder einen Weg nach außen zu finden.

Innen – ich habe versucht eine grobe Karte vom Gelände aufzutreiben, bin bis jetzt aber auch noch nicht fündig geworden – reihen sich Gänge um Gänge kreuz und quer durch die Hallen, sodass du nach 3 mal abbiegen Schwierigkeiten hast, zu sagen , wo Ost und West ist, bzw. viel wichtiger, wo dein Truffi wieder nach Hause fährt.

An den Seiten reihen sich lauter kleine Läden, in denen sich die Verkaufsgegenstände bis an die Decke türmen.

An dem Stand läuft bestimmt so manches kleines Mädchen vorbei und hat den Traum, ein Prinzessinnenleben zu führen 🙂

Es gibt an sich schon unterschiedliche Bereiche, wie die Touriecke, Hightecgeräte (Ja, auch die riesigen Flachbildschirme und Waschmaschinen werden dort auf „offener Straße“ verkauft.) oder das Klamotteneck, allerdings gibt es überall Ausreißer aus diesem System, sowie unübersichtliche Wechsel von einem zum anderen. Dazu kommt, dass wahnsinnig viele Läden mit bunten Farben hervorstechen, die deine Sinne bis zur Fülle ausreizen.

Sowas findeste bei uns nicht so schnell neben dem Gemüsemarkt 😀

Um kurz auf das Popcorn zurückzugreifen: In Bolivien ist ALLES mit Zucker. Ob Refresco, Brot, Empanadas oder Pizzateig, in allem ist etwas Zucker beigemischt. Da erwartest du natürlich das süßeste Popcorn , das du dir vorstellen kannst. Stattdessen gibt es, außer ab und zu in Kinos, ausschließlich salziges Popcorn. Ich finds super! Verwirrt über den fehlenden Zucker ist man trotzdem.

Außerdem ist es mengenmäßig extrem billig und extrem lecker. SUCHTGEFAHR!!! 😀

Willst du auf der Cancha einkaufen, musst du besondere Vorsicht walten lassen, da gerade solch ein Ort für Diebe perfekt ist.

Wer sich jetzt denkt „Ach, des wird uns schon nicht passieren“ hat genau wie wir auch FALSCH GEDACHT.

Vor ein paar Wochen war ich mit Clara auf dem Weg zu unserer zweiten Einsatzstelle (Rahel war leider krank) und wir mussten wie sonst auch an der Cancha umsteigen. Nachdem wir Dank einer Versammlung von Trufifahrern länger als sonst auf das richtige Trufi warten mussten und somit schon ziemlich spät dran waren, schrieb Clara zur Sicherheit unserer Mentorin, um zu sagen, dass wir kommen so schnell es geht.

Als dann 10 min später tatsächlich das richtige Trufi erschien. Clara, völlig auf die Antwort von Maria-Luisa fixiert, hat ein einziges Mal die Sicherheitsregeln für die Cancha und Trufis nicht bedacht und konnte so schnell gar nicht schauen, da wurde ihr das Handy schon durch das offene Fenster herausgeklaut. Sie wollte natürlich noch schnell rausspringen und hinterherlaufen, worauf der Trufifahrer nur ganz ruhig meinte „des bringt eh nichts, der ist scho weg“. Ein kleiner Trost ist immerhin, dass das Handy ziemlich alt war und dank 2 Wasserschäden auch nicht mehr voll funktionstüchtig.

Dafür wird er nicht mehr viel bekommen. Muhahaha

Wenn mal kein Wellblechdach da ist reicht auch ein Stück Plane um Schatten zu spenden 😀

Tanzen,Tänze,Tänzer !!

Diese Röcke!!! Ich bin begeistert

Auch der Nachwuchs übt sich schon in prächtigen Gewändern

Wir werden hier immer wieder gefragt „ Was ist denn ein typisch deutscher Tanz ???“, worauf wir leider eher schlecht als recht mit „Mh, Schuhplattler, aber nur in Südbayern, Walzer, aber des ist ja eigentlich aus Österreich, ansonsten Garde, Discofox vielleicht oder Rock´n Roll, der kommt aber eher aus Nordamerika.“ stammeln können.

Im Gegensatz zu unserer Heimat, in der diese Art der Kultur größtenteils verloren gegangen ist, existieren in Bolivien noch ganz viele klassische Volkstänze aus den unterschiedlichsten Regionen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Um einige aufzuzählen:

Salay, Cochabamba: dieser Tanz erfreut sich momentan in Cochabamba großer Beliebtheit, weshalb es unendlich viele Tanzgruppe gibt. Er ist eher ruhiger und sittlicher jedoch mit sehr schönen einfarbigen kurzen Röcken mit Spitze

Salay, hier getanzt von den Firmlingen der Kirche 🙂

Tinku : Dass sie Barfuß sind und die Straße rau stört sich nicht 😀

Tinku, Potosí: mein Liebling,da er so viel Bewegung und ausgefallene Schritte, wie Hüte auf den Boden klatschen oder Arme und Beine durch die Luft wirbeln innehat, außerdem sind die Kostüme KNALLBUNT mit lauter bunten Schals, die um die Hüfte hängen. Oh, und coolen Wollmützen und Sandalen mit Wollsocken drin.

Köstüme , die mein Farbenherz Luftsprünge machen lassen 😀 Diesmal mit den klassischen Sandalen und Wollsocken !

Diabladla, Berwerksgebiete rund um La Paz: Diesen Tanz find ich besonders einfallsreich, da er einen Art Kampf /ein Gleichgewicht zwischen Engeln und Teufeln darstellen soll. Die Bergleute, die unter sehr schlechten Bedingungen teilweise Zwangsarbeiten mussten/ müssen, empfinden unter der Erde den Teufel und über der Erde die Engel. Eine andere Interpretation ist auf einen Gott der Indigenen zurück zu führen, der unter der Erde haust und dem die Bergleute Opfergaben dargebracht haben, um ihn milde zu stimmen und der seither für die sorgt.

Die Tänzer müssen am Anfang wählen ob sie Teufel oder Engel sein wollen. Oh, oder der Tod mit Scream Maske und Sense. Die Yetis nicht zu vergessen, die schön pummelig durch die Gegend pummeln.

Da fühlt man sich gleich wie an Fasching

Corporal ! Einer dieser Tanzgruppierungen ist unsere Vorgängerin beigetreten. Und ja ich habe bemerkt wie kurz die Röcke sind 😀

Waca-Waca, konnte keinen spezifischen Herkunftsort entdecken: Stierkampf der etwas anderen Art: Der Großteil der Männer hat Stier/Kuhattrappen um den Bauch geschnallt, die sie mit sich rum tragen. Diese sind meist bunt bemalt.

Die Frauen tragen weite Röcke und Ratschen, wobei die Röcke nur so durch die Gegend fliegen.

Außerdem gibt es noch ein oder zwei Stiertreiber, die die Stiere auf dem richtigen Weg halten sollen, sowie ab und zu eine spanische Flamencotänzerin.

Leider hab ich es bis jetzt noch nicht geschafft, so ein Stierkostüm zu ergattern und auszuprobieren.

Waca Waca: Ob sich echte Stiere wohl auch so eine Farbenpracht wünschen?

Und entdeckt ihr die Addidashose?

Hab ich eigentlich die Blaskapellen schon erwähnt??

Wie konnte ich die Blaskapellen vergessen??

Und nein das waren nicht alle Tänze, es gibt noch viele weitere, aber alle aufzuzählen und zu erklären ist zu umständlich

Wen des Thema interessiert dem rate ich zu Wikipedia „Bolivianische Tänze“. Gibt gar keinen schlechten Überblick 😀

Um zu den Blaskapellen zurückzukehren. Auf einem Fest, samt Umzug mit Tanzgruppen, muss die Musik ja irgendwo herkommen. Dass aber fast jede Tanzgruppe ihre eigene Blaskapelle am Start hat, und es gibt VIELE Tanzgruppen, des denkste jetzt aber auch nicht gleich.

Laut meiner Hochrechnung / Gefühl muss ungefähr jeder 2.Bolivianer in einer Blaskapelle oder Tanzgruppe sein. Oder jeder der in einer ist auch noch in zwei weiteren.

Wo durften wir eigentlich diese ganze schönen Tänze betrachten?

 

STRASSENFESTE !!!

Was ich hier ja schon etwas vermisse, v.a. weil gerade die Zeit dafür ist, sind Kerwas und Bockbieranstiche.

Aber was ich stattdessen gefunden habe sind Straßenfeste 😀

Da sie auch den Ursprung in einer Kirchen- oder Heiligenfeier haben, ähneln sie eher Karnevalsumzügen mit Kerwaständen. Es gibt zahllose Straßenessen, laufende Grillwägen und Verkäufer, die Bier, Zuckerwatte und sonstigen Schnickschnack parat haben. Selbst diese bunten Kreisel, die du in die Luft schleudern kannst, gibt es zu kaufen. Dazu kommen Trampoline und Hüpfburgen für die Kinder, sowie Versteigerungen, Wurfbuden und Kicker für die Älteren.

Natürlich darf man bei all dem den Umzug nicht vergessen, der ausschließlich aus verschiedenen Tanzgruppen samt ihrer Blaskapelle besteht, denen Zwischendrin Autos mit aufgeschnallten Heiligenfiguren, Spielzeuglamas mit Hüten oder sonstigem Gewörch folgen.

In allem eine sehr beeindruckende Vorstellung. 😀

Quinceaños – breakdancende Clowns, hohe Schuhe und Schokofrüchte.

Quinceañera, oder breakdancende Clowns, hohe Schuhe und Schokofrüchte.

Bei uns gibt es ja auch diese großen Geburtstage, die man für gewöhnlich sehnsüchtig erwartet. Diese sind im Normalfall der 16. und der 18. Geburtstag, allein schon deshalb, weil deine Rechte gewisse alkoholische Substanzen zu dir zu nehmen erheblich verbessert werden.

(In Bolivien ist, wie in den meisten anderen Ländern, Alkohol grundsätzlich erst ab 18 erlaubt, wobei die Kontrolle dahingehend nicht sonderlich streng ist.)

Für Bolivien wichtig ist bei Mädchen der „Quinceaños“ (15. Geburtstag).

Dieses Fest hat seinen Ursprung in Südamerika und wird noch heute in vielen Ländern Südamerikas gefeiert und bezeichnet traditionell den Übergang vom Mädchen zur Frau.

Früher wurden die Mädchen in den Jahren vor ihrem „Quinceaños“ auf die Pflichten und Kenntnisse einer Frau vorbereitet.

Mittlerweile hat sich dieser Tag, sofern er zelebriert wird, zu einem rauschenden Fest gewandelt.

Wir durften vor ein paar Wochen so ein Fest selber miterleben.

Wobei das „dürfen“ so eine Sache war, ohne Eintrittskarte oder Leute, die wir kannten 😀

Aber zum Glück hat es, sobald wir drinnen waren, keinen mehr interessiert, ob wir den Namen der Quinceañera (Ruth) wissen :).

Stattgefunden hat das ganze in einem schön geschmückten Saal, der ,laut Pedro, sogar noch verhältnismäßig klein war. Für einen Jugendgeburtstag nach unseren Verhältnissen riesig.

Alles hat mich eher an eine kleine Hochzeit erinnert, mit Kellnern und Band.

Obwohl wir schon ne Stunde später kamen, mussten wir dennoch noch einige Zeit auf den großen Augenblick warten. Der Augenblick, in dem die Quinceañera in den Raum schreitet!

In einem Bodenlangen weiß schwarzen Kleid mit orangenen Highlights schritt sie die Treppe der Galerie hinunter um unten von einigen Jungen mit Rosen in den Händen erwartet zu werden, die sie ihr zu Füßen legten. Empfangen wurde sie danach von ihrem Vater, der mit ihr einmal durch den ganzen Raum schritt und danach den ersten Tanz mit ihr tanzte. Die Jungs, die Rosen wieder eingesammelt, legten sie ihr abermals zu Füßen, diesmal in einem Kreis um die Tanzenden herum. Während des Tanzes wurden diese dann von ihr und ihrem Vater aufgesammelt. Aufgezeichnet wurde das ganze natürlich von einer Kamera, die ihr durchgängig folgte und auch den restlichen Abend über stets präsent war.

In allem eine sehr eindrückliche Vorstellung die nur davon etwas überschattet wurde, dass die Quinceañera auf ihren hohen Schuhen, die sie vermutlich anziehen musste, damit das Kleid passt, eher schlecht als recht laufen konnte. Auch war ihre Laune eher weniger so, als ob es der schönste Abend ihres Lebens wäre. Da ich aber nicht eingeladen war, war ich jetzt nicht unbedingt die erste, die hin ist, um zu fragen was los sei.

Nach diesem großen Auftritt und dem obligatorischen „Feliz cumpleaños“-Gesinge begann sich die Tanzfläche langsam zu füllen, und die BAND, samt FRONTTÄNZERINNEN zu spielen. Interessant dabei war, dass man tatsächlich ausschließlich zu zweit tanzen konnte. Alleiniges Rumgehopse wie bei uns gab es kaum .Wir haben uns natürlich auch irgendwann auf die Tanzfläche und zum Buffet gewagt.

Warten auf die Quinzeañera!! leider hab ich nicht mehr Bilder von dem Abend, da ich mein Handy daheim gelassen hatte. Aber ich hab ja noch n bissl Zeit für einen weiteren Quinzeaños 😀

Die Gäste ,~70-80 Leute, waren natürlich auch alle aufgetakelt, mit Anzug, kurzen, schicken Kleidern und so hohen Schuhen, in denen ich als 15 Jährige beim ersten Schritt sicherlich galant den Boden gegrüßt hätte 🙂

Um 12 oder so kam dann die „HORA LOCA“, bei der urplötzlich Clowns und Mädels in Tütüs hereingestürmt kamen und alle auf die Tanzfläche zogen. In der wurde eine Mitte gebildet , in der einer von ihnen krasse Breakdancemoves vollführte, bis er von einem , vermutlich leicht angetrunkenen, Gast abgelöst wurde, der ziemlich beeindruckend „Michael Jackson“ Style mäßig tanzen konnte.

Gegen 2 hat sich das ganze dann langsam aufgelöst, wobei lustigerweise am Schluss Folkloremusik gespielt wurde, die aber für die meisten eher als Rausschmeißer wirkte, sofern man die typischen Schritte nicht kann 🙂

Perros, gatitos(gatos) & und sonstige Tiervorkommnisse

Weg zur Arbeit. Es ist kurz nach 9 Uhr morgens, wir natürlich wie immer etwas knapp dran, gehen die Treppe nach unten. Dort werden wir schon freudig begrüßt von 2-3 ganz reizenden Hunden mit Namen wie „ Hilde“ oder „Princesa“. Diese Hunde, die nachts jeden Vorbeilaufenden anbellen, damit er auch ja nicht auf die Idee kommt, unser Haus auch nur zwei Mal anzuschauen (ich mein wozu braucht man denn Nachtruhe), sind tagsüber wahnsinnig anhänglich und freuen sich, wenn du sie auch nur mal anblinzelst. Da wir leider die spanischen Begriffe für „Sitz“,“Platz“ oder „Bitte spring nicht an mir hoch, während ich die Treppe hoch laufe und die Hände voll habe“ nicht immer parat haben, gestaltet sich das Zusammenleben mit ihnen noch etwas gewöhnunngsbedürftig.

Hast du es dann einmal bis zum Tor und auf die Straße geschafft, heißt das noch lange nicht, dass du damit auch tierfrei bist. Vor allem Hunde gibt es hier an jeder Straßenecke, wobei nicht immer ganz klar ersichtlich ist, ob es sich um Straßenhunde handelt, die niemandem gehören, oder die Hunde nur einfach gerne vor den Häusern ihrer´Herrchen Wache liegen.

Ich glaube ja man kann Menschen in 2 Kategorien einteilen. Katzen- und Hundemenschen!

Und wer jetzt denkt „Stimmt doch gar nicht, ich mag beides!!“ – gebt es ruhig zu, ihr habt einen heimlichen Favoriten 😀 Wer immer noch anderer Meinung ist, darf mich gerne benachrichtigen und seine Gegenargumente vorbringen.

Wer mich kennt, der muss nicht lang nachdenken und weiß, ich gehör eindeutig zur ersten Kategorie. Klar Hunde sind lieb und freundlich und treu und alles, aber mein Herz schlägt bei Katzen einfach höher. Weshalb ich mich hier auch auf jede Katze, die Bekannte von uns haben, stürze, um wenigstens ein bisschen den fehlenden Kater an meiner Seite auszugleichen. ( UND NEIN, ER IST NICHT GESTÖRT, NUR SEHR LEBHAFT UND UNDURCHSCHAUBAR :D).

ist der Kleine nicht goldig!!!

Wie gut trifft es sich da, dass Aracely, unsere Mentorin, momentan 4 süße Babykätzchen hat. Hätte Clara keine Katzenhaarallergie, wäre eines vermutlich schon auf unerklärliche Weise verschwunden und in unserer Wohnung wieder aufgetaucht. Verrückte Zufälle soll`s geben.

Einige andere Anekdote zwecks Tierhaltung in Bolivien:

Wie oben schon erwähnt laufen Hunde hier relativ frei herum

(Ein Glück gab es vor ein paar Tagen eine allgemeine Tollwutimpfung, bei der jeder seine Haustiere vorbeibringen konnte, welche dafür mit einem gelben Halsschmuck belohnt wurden, um die ungeimpften von den geimpften unterscheiden zu können).

Erstaunt bist du dann aber doch, wenn du bei deinem Projekt vor die Tür trittst und neben einigen Hunden auch eine Ziege auf dem Hof siehst, die anscheinend in ihr Rudel mit aufgenommen wurde. Warum auch nicht ? Wir wollen hier ja keine Ziegen diskriminieren, die gerne mal Hunde wären.Kurz irritiert ist man trotzdem.

Ein anderes Mal laufen wir zur Arbeit und auf einmal kommen uns 3 Kühe entgegengerannt. Sie sind leider nicht stehen geblieben, um uns ihr Ziel zu verraten, es wirkte aber überaus dringend.

Allgemein gibt es hier viele Leute, die Kühe oder sonstige Nutztiere halten, sodass sie dich öfters mal aus den Gärten anglotzen . Das hätte bei mir schon fast einen Unfall verursacht, weil die Kuh mich so abgelenkt hatte, dass ich das Loch in der werdenden Straße fast übersehen hätte. Zeichen von Schuldgefühlen oder Schadenfreude konnte man bei ihr allerdings nicht erkennen.

Ein TRUFI, bitte!!!

Immer wieder, wenn ich Leuten für mich hier alltägliche Dinge schreibe, kommt ganz verwundert zurück: WAS SIND TRUFIS???

Deswegen hier mal ein kleiner Kommentar dazu:

 

Was ist ein Trufi?

Stellt euch einen VW Bus vor, nur, dass die Sitze kleiner sind und der Kofferraum auch Sitze enthält. Sitze reingestopft, in denen es dir unmöglich ist, dich gerade hinzusetzen, da dein Abstand von Hüftknochen bis Knie einfach zu groß ist. Was dadurch allerdings möglich ist, ist >15 Leute in ein einzelnes VWBus-artiges Gefährt hinein zu kriegen, die sogar alle mehr oder weniger sitzen.

Wohin fahren überall Trufis?

Trufis fahren eigentlich überall hin, nur zu wissen, welches wohin fährt ist die Kunst. Zwar stehen die Hauptpunkte, an denen es vorbeikommt,auf einem Pappschild hinter der Windschutzscheibe. Wenn es allerdings mit rasender Geschwindigkeit an dir vorbeifährt, dann hilft dir das auch nicht viel, sofern du nicht Spezialsensoren in den Augen hast.

Wie kannst du in ein Trufi einsteigen?

Eigentlich immer und überall! Trufis haben keine genauen Abfahrtszeiten oder Haltestellen, sondern fahren einfach immer ihre Wege hin und zurück. So kann es passieren, dass Minutenlang keines vorbeischaut, und dann wieder zwei direkt hintereinander 🙂

Hast du mal die richtige Nummer erspäht, nachdem schon 5 Trufis laut hupend an dir vorbeigefahren sind, geht der Stress los.

Hat der Fahrer deine wild hin umherschwenkende Hand gesehen?

Ist überhaupt noch Platz im Trufi? (Die Fahrer halten nämlich grundsätzlich an und erwarten anscheinend von den Fahrgästen, wenn alle Sitze voll sind, sich einfach nach oben hin weiter zu stapeln. Ein Glück sehen das die Fahrgäste anders!

Was erwartet dich , wenn du in einem Trufi sitzt?

Sitzt du dann mal drin geht das Geschaukel los. Je nach Ziel kann es nunmal auch von den asphaltierten Straßen (die Dank Geschwindigkeitsbegrenzungshüppel auch nicht immer die angenehmsten zu befahren sind) abweichen und auf Schotterwege, steile Pflasterstraßen oder sonstige ungewöhnliche Wege ausweichen.

Auch bekommst du mitunter kurze Panikattacken, wenn der Fahrer unterwegs einfach den Weg oder die Trufinummer ändert.Glücklicherweise kommst du normal dennoch da an, wo du hinwillst.

Außerdem noch zu erwähnen ist vermutlich, dass die Trufifahrer, im Gegensatz zu den deutschen Busfahrern, erheblich flexibler im Umgang mit den genauen Strecken sind , die sie fahren. So hat einer einmal, als wir ihn vor dem Einsteigen gefragt haben , ob er auch an unserem Ziel vorbeifährt , nach einer kurzen Absprache mit den anderen Fahrgästen, mal schnell die Route geändert und gemeint “ Klar kein Problem“.

Wie kannst du aus einem Trufi aussteigen und was bezahlst du?

Willst du aussteigen, musst du deine glänzenden husthust Spanisch-Kenntnisse hervorkramen, um damit quer durchs Trufi Sätze wie „VOY A BAJAR!!“( Ich werde aussteigen!) „ AL SEMÁFORO, POR FAVOR!“ (An der Ampel, bitte ) „EN LA ESCINA, PORFA“ (An der Ecke bitte) rufen zu können. Sofern dich der Fahrer erhört und/oder durch andere Fahrgäste darauf aufmerksam gemacht wurde, hast du die Möglichkeit dem wackeligen Gefährt zu entrinnen und von außen durch die Beifahrertür je nach gefahrener Distanz 0,5-2,5 Bolivianos durchzureichen(1€~8Bolivianos).

Sogar eines aus Cochabamba, welches in die richtige Richtung fährt 😀

GEBURTSTAG!!!!!!!

Meine Geschenke waren alle bolivianisch angehaucht 😀

Wann habt ihr das letzte Mal Torte ins Gesicht bekommen? Ihr wisst es nicht? Kein Problem,

ich hätte es bis vor ein paar Tagen auch nicht sagen können.:)

Aber da war ja noch so ne Sache 😀 Mein Geburtstag oder so 😀

Ich muss sagen ich hatte schon etwas Bammel davor, so im fremden Land, in dem ich ja vor allem erst seit kurzem residiere .

Diese Angst war zum Glück unbegründet.

Denn ich habe nicht nur einen Kuchen bekommen, sondern gleich vier!!!!!

Natürlich nicht auf einmal, sondern über den Tag verteilt.

Das war schon ein ziemlicher Knaller!:D

Insgesamt war der Tag recht abwechslungsreich.

Zum Mittagessen waren wir bei den Schwestern eingeladen und haben zusammen mit ihnen gekocht. Bzw. die anderen, denn als ich kam, war alles eigentlich schon fertig. Dann hieß es nur noch warten, bis Mittagessenszeit und Jose Luis da war, unser Mentor. Ein Glück ist uns irgendwann aufgefallen, dass die Schwestern vergessen haben, ihm Bescheid zu geben xD und konnten das noch berichtigen. In der Zwischenzeit wurden wir etwas in die bolivianische Musik eingeführt und wagten erste Tanzversuche, über die ich, wie ihr später verstehen werdet, noch heilfroh war!:D

Am Nachmittag waren wir bei der Jugendgruppe von Aracely, die sich immer Samstagnachmittag trifft und zum größten Teil aus Kindern besteht, die auch im Projekt sind. Mit ihnen haben wir schon einmal ein bisschen Volleyball gespielt, da nächste Woche ein kleines Turnier stattfindet.:D

Zum Abschluss sind wir nach drinnen gegangen, wo mich Kuchen Nummer 3 erwartete ( 1.Frühstück , 2. Mittagessen), diesmal eine mehrschichtige Torte. Ich wurde erneut besungen und beglückwünscht und durfte die Kerzen zusammen mit Josue, der ein paar Tage später Geburtstag hat, ausblasen.

Natürlich gab es zu all dem Cola. Wie übrigens fast überall hier. Wenn wir unterwegs sind, ist die Suche nach trinkbarem Wasser meist vergeblich, „refrescos“ sind jedoch meist schnell gefunden.

Dass eine Cola-Fabrik einen Kilometer weiter steht, trägt vielleicht auch nicht unwesentlich dazu bei xD.

Zum Abend hin waren wir bei den „Amigos de San José“, eine Art Familienkreis von der Gemeinde, eingeladen.

Das hieß erstmal wieder viele Begrüßungen, Küsschen auf die Wange und Willkommensreden.

Währenddessen haben sich einige Leute ins Nebenhaus zurückgezogen, nur um dann in leuchtenden Kostümen wieder herauszukommen.

Als einen Willkommensgruß haben einige Frauen des Kreises traditionelle Tänze aus verschiedenen Regionen Boliviens vorgeführt. Beeindruckend fand ich vor allem die Unterschiedlichkeiten der Kleidung und die leuchtenden Farben. Auch, dass man anhand der Bewegungsintensität der Tänze merken konnte, ob sie aus dem drückend heißen Santa Cruz stammen oder aus dem 3500m hohem zugigen La Paz stammten.:D

Beeindruckend wie flink ältere Damen noch rumrennen können 😀

Ich als Geburtstagskind wurde mehrmals aufgefordert, in die Tänze mit einzusteigen. (Vor der vollkommenen Blamage konnte ich mich durch die mittäglichen Tanzstunden retten!)

Ein Tanz wurde durch einen Zwischenruf unterbrochen, der bedeutete, dass ich mit meiner Partnerin mit einem Gläschen Wein anstoßen musste und es verschränkt getrunken haben, danach ging der Tanz weiter. Wer sich an den Anfang des Textes zurückerinnert muss jetzt denken: MOMENT, da war doch noch was, wo bleibt die Torte im Gesicht??Deswegen kommen wir jetzt zu KUCHEN NUMMER 4!!.

Wieder mit Kerzen und Gesinge hereingetragen, positionierte sich währenddessen ein Mann schon unbemerkt hinter mir, sodass er, als mir von der Schwester erklärt wurde ich solle den Kuchen probieren und ihn für gut befinden, auch gleich zur Tat schreiten konnte und meinen Kopf in den Kuchen drücken konnte. Dass nur die untere Gesichtshälfte mit Sahne bedeckt wurde und nicht alles bis zum Haaransatz, ist vermutlich nur meinem schnellen Zurückzucken geschuldet !:D

Alles in allem ein sehr schöner Tag 😀

Natürlich muss auf den gelungenen Tanz angestoßen werden

Na wer findet mich ?