COLONIA NAVIDENA – oder wie beschäftigt man 20 herumwuselnde Kinder von Kindergartenkind zu „Ich bin zu cool für Spiele“ für drei Stunden täglich !!

Und natürlich FROHE WEIHNACHTEN an alle oder so 😀

Falls unter euch jemand dabei sein sollte, dessen Weihnachtsglückwünsche ich unbeantwortet gelassen habe, sei hiermit gegrüßt, es war vermutlich keine Absicht.

Es ist Advents/Weihnachtszeit !!!

Und sie ist absolut anders als in Deutschland.

Dank Regen und Wärme, fehlendem Glühwein und Kinderferienprogramm hat man hier gar nicht das Gefühl, jeden Tag ein Türchen mehr öffnen zu dürfen, sondern eher auf die lang ersehnten Sommerferien hinzuarbeiten.

Aber durch ein paar kleine Dinge versuchen wir uns dann doch, die Weihnachtsstimmung wenigstens etwas aufrecht zu erhalten 😀

Spanische Weihnachtsklänge tönen durch die Wohnung, ich schaue ab und zu ein paar nostalgische Folgen „Weihnachtsmann & CO KG“ und wir versuchen uns trotz fehlender Mandeln und Haselnüssen ( kann man zwar kaufen, sind aber übertrieben teuer ) an ein paar Weihnachtsplätzchen.

Leider verschwinden die immer so schnell, keine Ahnung wo die hinkommen…

Muss ein Kobold gewesen sein, vermutlich ist Pumuckl meinem Laptop entsprungen und hat sich bei uns häuslich eingerichtet, das würde auch das sonstige spurlose Verschwinden von Handys, Taschen und Kopfhörern erklären, genauso wie die stetige Dezimierung unseres Inventars!

Ich sollte wohl mal ein bisschen Leim verschütten…

Auch wenn einige Leute uns schon gefragt haben, ob uns denn jetzt Zuhause nicht langweilig sei, so ganz ohne Arbeit, kann man von viel dazugewonnener Freizeit nicht reden.

Wenn wir nicht gerade Inventur im Projekt machen, die Colonia Navidena vorbereiten oder zu den Brüdern zum Joghurt machen eingeladen sind, stehen Plätzchen backen, Lieder für den Chor üben, oder Weihnachtsfeiern an, denen wir natürlich gerne beiwohnen.

Auch war letztes Wochenende die Promotion ( Abiverabschiedung) von Wara, der Tochter unserer Vermieterin Beatrice, sowie die Firmung ihres Sohnes Diego.

Die letzten zwei Wochen führten wir auf jeden Fall jeden Tag von 15-18 Uhr unser Ferienprogramm durch.

Jedes Kind der Nachbarschaft das wollte/durfte, konnte kommen.

Einzige Vorgabe: eigene Stifte, Kleber und Schere Kosten: 0 BOLIVIANOS 😀

Die ersten Tage bastelten wir ziemlich viel Weihnachtskarten, Sterne etc.

Natürlich sollte auch das Spielen nicht zu kurz kommen, sodass wir neben den täglichen kleinen Spielen zu Auflockerung des Tages auch zwei Große Spieleolympiaden durchführten.

Mjam, lecker 😀

Die zweite Woche konzentrierte sich dann eher auf das Vorbereiten des Chores und des Krippenspiels für die Weihnachtsmesse.

Die kleineren Kinder stellen die Weihnachtsgeschichte nach, während die Großen die Lieder singen und mit Mikrophon die Sprechrollen übernehmen.

Dass unsere Kirche nicht gerade über die beste Akustik verfügt und sehr dazu neigt den Schall zurückzuwerfen, vereinfacht uns die Sache auch nicht gerade, genauso wie das eher unregelmäßige Erscheinen einiger Kinder, sowie ihre Unwissenheit, ob sie an der Weihnachtmesse überhaupt anwesend sein werden. Aber irgendwie haben wir es jetzt doch ganz gut hingekriegt 😀

Kurzer Auschnitt zum SAYATANZEN:

Afrobolivianische Alemanas !!!!

Nein, das ist weder ein Zungenbrecher noch ein schlechter Scherz.

Vor ein paar Wochen war bei uns in der Kirche das Fest der Maria de Guadalupe, der Namensgeberin unserer Kapelle.

Im Zuge dieses Festes gab es eine Entrada (d.h. einen Umzug vom Beginn der neuen Avenida bis zur Kapelle)

Dazu haben die Minkas, die Jugendgruppe der Gemeinde, Saya geprobt und jeder, der wollte, durfte mitmachen 😀 . Deswegen waren wir natürlich ganz vorne mit dabei, als 2. und 4. Reihe 😀 Die 2 Wochen davor waren von täglichem Tanztrainig geprägt, jeden Tag nach dem Projekt 1-2 Stunden mit den Kindern zu proben und ihnen die Schritte beizubringen, die wir gleichzeitig selber lernen durften.

Mit einigen Besuchen einer nahe gelegen Tanzschule perfektionierten wir unsere Schritte (so ungefähr)

Es lief aber irgendwie trotzdem alles absolut chaotisch!

Dazu beigetragen hatte unter anderem :

Die Unwissenheit, welche Kinder mittanzen und welche nicht

Das hin und her Hetzen zwischen Tanzschule und Kinder

Was gibt es zu Essen?

Welche Kinder haben schon gezahlt?

Woher bekommen wir die Musik?

Als dann am Vorabend um 23 Uhr beschlossen wurde, den Gottesdienst nach hinten und die Parade nach vorne zu legen war das komplett 😀

Warum braucht man für den Tanz eigentlich einen Hut, wenn man den eh nie aufsetzt?

Irgendwie haben wir es dann doch ganz gut hingekommen und mussten natürlich, da wir „Gringas“ waren, die einen traditionellen bolivianischen Tanz tanzten, gleich mal für Fotos herhalten.

 

Zum Thema „afrobolivianische Gringas“ :

Unser Tanz „ Saya Afroboliviana“ ist vor mehreren Jahrhunderten in den Reihen der afrikanischen Sklaven entstanden, weshalb es auch heute noch z.B. üblich ist, afrikanische Frisuren zu tragen 😀

Wehe, man verlässt die Formation 😀

Insgesamt äußert er sich also anders , aber Weihnachtstrubel bleibt eben Weihnachtstrubel, sodass wir uns schon sehr auf die Feiertage und vor allem auf die freien Wochen danach freuen, in denen wir viel reisen werden.

Wenn ihr also nach diesem Eintrag eine Weile lang nicht mehr so viel von mir hört, dann liegt das daran, dass ich gerade bescheuerte Bilder in der Salzwüste mache, mir einen leckeren Fisch am Titicacasee schmecken lasse oder auf dem Zwischenseminar an der Hitze in Santa Cruz sterben werde.

Vielleicht schaff ich es ja doch mal zwischendurch einen kleinen Lagebericht zu geben oder ein paar Bilder hochzuladen. 😀