Ostern in Bolivien, von Osternestern und Hühnchen

 

So hier kommt noch ein kleiner Beitrag zu Ostern in Bolivien, das dürfte einige von euch sicher interessieren, wie wir Ostern erleben durften :

Eigentlich war alles recht ähnlich wie in Deutschland und dann doch wieder ganz anders.

Am Gründonnerstag war um acht Uhr Abends die Messe.

Dabei war die Fußwaschung besonders.

Zuerst hat sich der Pfarrer 12 Leute aus der Gemeinde gesucht, den 12 Aposteln gleich, denen er die Füße gewaschen hat.

Danach wurden Schüsseln,Handtücher sowie Wasser bereitgestellt und die ganze Gemeinde war eingeladen.

Frauen haben ihren Männern die Füße gewaschen und umgekehrt,Kinder den Müttern, Freunden, Verwandten.

Da wir dazu den Begeleitgesang gemacht haben, haben wir uns selber nicht beteiligt. War in der Hinsicht ganz gut,da ich eine Strumpfhose anhatte, und mich ungern in der Kirche entkleiden wollte xD

Das ganze hat einige Zeit gedauert und war eine zwar für mich etwas ungewohnte, aber doch sehr schöne Geste.

Nach der Messe sind wir zusammen mit Wara in die Stadt gefahren, um „Kirchen zu besuchen“.

Das ist hier eine Tradition am Gründonnerstag und besagt, dass man mindestens 6 aber am besten 12 Kirchen aufsuchen muss. Hat vermutlich etwas mit den 12 Aposteln zu tun.

Die Innenstadt mit ihren Kirchen aus der Kolonialzeit war proppenvoll und schön geschmückt.

Da es überall, wo viele Menschen sind auch immer wie aus dem Nichts Bolivianer auftauchen die etwas verkaufen, gab es von Losbuden, Essensständen und Versteigerungen alles.

Das ganze hatte ein bisschen Volksfestcharakter,was uns dann doch etwas irritierend vorkam, da ja Gründonnerstag bei uns eher ein ruhiger und stiller Feiertag ist.

Aber alles in allem hatte es doch eine schöne Atmosphäre.

Am Karfreitag gab es einen Kreuzweg, den wir mit vorbereitet haben.

Die Stationen waren Altären, von den Hausbesitzern, bei denen die Station war, vorbereitet. Als Dank wurden sie und ihr Haus gesegnet. Auch einige andere Leute hatten Altäre vorbereitet, die gesegnet wurden.

Des beeindruckendste, was ich dabei gesehen habe, war ein großes Gemälde vom Letzten Abendmahl, das sich als Linsenrasterbild entpuppte, d.h. je nach Blickwinkel kam eine andere Szene zum Vorschein.

Sowas ist mir in D sicher noch nicht begegnet.

Bei der Kreuzverehrung kam dann die nächste Irritation für mich: die Menschen sind den Mittelgang auf Knien nach vorne gerobbt, um sich dann vor dem Kreuz nicht nur zu verneigen, sondern es auch zu küssen und anzufassen.

Osterversammlung der Amigos de San Jose Gruppe

Am Samstag war dann um 8 Uhr Abends die Osternacht, bei der wir auf dem Vorplatz ein Feuer angezündet haben, zu dem die Anwohner jeder ein bisschen Holz mitgebracht haben.

Das man das Feuer nicht einfach so  unbeaufsichtigt brennen lassen kann, wenn man in die Kirche geht, war ein sehr typisch deutscher Gedanke, der mir durch den Kopf geschossen ist. Bolivianer sind da entspannter.

Rahel hatte über die Ostertage ihre Familie zu Besuch da, sodass wir dann danach für uns noch ein bisschen Ostern feiern konnten. Mit Rittersport !!!!

Um ein bisschen deutsche Ostertradition nach Bolivien zu bringen haben wir Eier gefärbt und kleine Osternester verschenkt.

Eierfarben original aus Deutschland importiert 😀

Nachts habe ich mit einigen Jugendlichen aus der Gemeinde eine Ostervigilia gehalten, die aber eher einem Filmeabend ähnelte und sehr schön war.

Ich wollte ja eigentlich nur kurz vorbeischauen husthust.

Um Rahels Familie würdig zu empfangen waren wir die nächsten Tage mehrfach bei verschiedenen Personen zum Essen eingeladen, was meinen Magen sehr beglückte. Ob Hühnchen geräuchert oder Hühnchen im Ofen, darin sind die Bolivianer einfach unschlagbar.

Und es gab sogar SAURE GURKEN!!! Hier ein seltener Anblick.

7 Personen in einen kleinen Käfer? Warum nicht 😀

Auch interessant ist, dass sie hier in Cochabamba 3-4 Mal im Jahr einen Autofreien Sonntag haben, der dieses Jahr genau auf den Ostersonntag gefallen ist.

Es war wahnsinnig schön zu sehen, wie viele Leute urplötzlich auf den Straßen waren, und die Ruhe genossen haben oder wie die Kinder unbeschwert Fahrrad, Inlineskates oder sonstige Sachen fahren konnten.

Um ein bisschen Bewegung zu bekommen sind Bea, Wara und ich nach Quillacollo gelaufen, um uns dort mit einem Eisbecher belohnen zu können 😀

Normalerweise dicht befahren ;D