San Juan, Lagerfeuer und Kosmische Energien

Hey Leute, nach langer Zeit mal wieder ein Blogeintrag !!

Irgendwie komm ich momentan nicht mehr so oft dazu, etwas zu veröffentlich.

Das liegt auch daran, dass meine Zeit hier bald zu Ende geht und ich bis dahin natürlich noch versuche, das Beste herauszuholen 😀

Als wundert euch nicht, wenn eher weniger von mir kommt, ihr habt mich ja bald wieder live und in Farbe, um Bericht zu erstatten.

Da aber diese Woche Ferien sind hoffe ich doch noch ein paar Sachen zu veröffentlichen von denen ich euch berichten wollte 😀

San Juan :

Für San Juan, also dem 24.6, bin ich mit einigen Freunden nach Tarata gefahren, einem Dorf etwa eine Stunde von Cochabamba, das aber einen sehr hohen historischen Wert hat, da es kurzzeitig mal als Hauptstadt Boliviens gedient hat und ein sehr schönes Zentrum hat.

In der Stadt ist es größtenteils verboten, für San Juan ein Feuer zu schüren, auf dem Dorf stört das zum Glück keinen.

Auf meine Frage an Henry, wieso das Feuer die Form eines Kreuzes hat, war seine Antwort „Ich bin ein Engel und überaus mächtig“

Deshalb haben wir uns nach dem „gewonnenen“, spektakulären Deutschlandspiel aufgemacht nach Tarata für’s Grillen und Feuerchen schüren. Zum Glück weckt Kohle in Männern ein inneres Gen, sodass Boris und Cris das Grillen und Würzen übernommen haben, und wir uns an den Wunderkerzen erfreuen konnten, die Elsas Tochter Anabel großzügig an alle verschenkt hat.

Was für eine Farbenpracht 😀

Ein sehr schöner Abend, der vor allem durch das durchgängig brennende Lagerfeuer einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen hat.

Hungrig erwarten wir das Essen

Am nächsten Tag wurden wir spontan ins Dorf von Lizs Oma mitgenommen. Man könnte auch von gekidnappt reden, aber das sind Übersetzungsfeinheiten xD

Von Tarata ging es etwa eine Stunde über Hügel und Täler zu einem kleinen, abgelegenen und sehr ländlichen Dorf.

Leider war die Oma nicht zu Hause. Dumm gelaufen.

Dafür haben wir das Grab ihres Opas besucht, der letztes Jahr verstorben ist. Tradition in Bolivien ist es, dass ein Jahr nach dem Tod vom Ehepartner nur schwarze Kleidung getragen werden darf. Nach diesem Jahr folgt ein „Fest“, bei dem die Padrinos (Paten) neue Kleidung schenken.

Nach 5 Jahren wird das Grab aufgelöst und die Überreste können an einen Anderen Ort gebracht werden.

Zu essen gab es natürlich auch, diesmal ganz schlicht mit gekochten Kartoffeln in einer großen Schüssel, llaqwa in einer anderen und einer Dose Fisch.

Cris hat sich leider geweigert auf dem Foto in Erscheinung zu treten

Llaqwa ist ein Art Brei aus Tomaten, Gewürzen, ab und zu Zwiebeln, und, am wichtigsten, Locoto: Dem Aussehen nach eine kleine Paprika, allerdings mit ganz eigenem Geschmack und, je nach Reifungsgrad, ziemlicher Schärfe.

Llaqwa gibt es hier eigentlich zu jedem Essen. Am Anfang stand ich dem Ganzen noch recht skeptisch gegenüber, aufgrund von Schärfeungeübtheit, mittlerweile ist es aber ein absolutes Muss.

Schade, dass es Locoto, soweit ich weiß, nicht in D zu kaufen gibt.

Aymaraneujahr :

Am 21.6 war bei uns Feiertag. Der Anlass war das Neujahr des Aymarakalenders, Sommersonnenwende.

Tradition ist hierbei, die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne zu betrachten, um neue Kosmische Energien zu erhalten und das neue Jahr ( 5525 oder so ) zu begrüßen.

Wir sind hierbei zu den Collcas gefahren, einige alte Ruinen auf einer Anhöhe in der Nähe von Quillacollo.

Dort haben sich alle möglichen Menschen versammelt, es gab Lagerfeuer, Musikgruppen, die auf Panflöten und Trommeln gespielt haben, Essensstände, einfach alles.

Dort wurde dann dick eingepackt auf den Sonnenaufgang gewartet, der sich langsam über die Berge am anderen Talende erhoben hat. Nach den Ooohs und Ahhs, als die ersten Strahlen uns erleuchtet haben, sind wir ganz entspannt um 7 Uhr morgens Chancho de la Cruz Essen gegangen, also Schwein, über dem Feuer gebraten. Ganz normal um diese Uhrzeit, oder ? xD

Mit Refresco und Bechern ausgestattet wartet es sich gleich viel leichter

Danach konnte man sich bei Tageslicht endlich die Ruinen genauer ansehen, die im Inneren mit Wandmalereien bedeckt waren.

Anabel, die 10 jährige Tochter von Elsa, und ich beim Ruinenbetrachten 😀

Eine sehr interessante und schöne Tradition.

Froh bin ich dann aber doch, dass ich nur bei den Collcas in Quillacollo war, und nicht bis Sipe Sipe gefahren bin, wo das Ganze noch viel größer und traditioneller stattfand. Inklusive rituelle Lamatötung. Immerhin hat das Lama zuerst noch Alkohol und Coca bekommen…

Joe, eine Mitfreiwillige, hat uns ein paar Tage später ausführlich von den Blicken der Leute erzählt, als sie blutbespritzt heimgelaufen ist…