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Über Jojo

Hey Leute ich heiße Johanna , und bin (fast) 19 Jahre alt. ich habe 2016 mein Abitur am Kaiser-Heinrich-Gymnasium in Bamberg gemacht. Letztes Jahr absolvierte ich verschiedene Praktika und jobbte. Ich freue mich sehr auf meinen Einsatz in Cochabamba :D Natürlich werde ich meine Erfahrungen (hoffentlich) regelmäßig hier mit euch teilen

Von Lamaföten und verrücktem Wetter…

UUUUnd ich bin wieder da !!!

Meine Güte hat das gedauert.

Mehr als einen Monat ist das jetzt her, seit ich mein kuscheliges Heim in Cochabamba verlassen habe um ein bisschen mehr von Bolivien zu erkunden.

Und ich kann sagen, das Land hat es geschafft, meine Erwartungen bei Weitem zu übertreffen.

Ich glaub so viel Diversität an Natur, Klima, Landschaft und Kultur findest du selten in einem Land.

Was das Packen nicht gerade erleichtert hat…

Ich mein, wie kriegst du in einen kleinen Backpackrucksack, der sich durch die Handgepäckskontrolle schmuggeln konnte, Kleidung für Temperaturen zwischen ca.-5C. bis 35C. rein, bei Höhenunterschieden von über 4000 Metern?

Von Andenpullis, Bergwerkslampen und der Unfähigkeit,den Horizont auszumachen bis zu tropischer Schwüle und versteckten Badelagunen ist einem alles begegnet.

Aber ich greife schon wieder viel zu weit vor…

LA PAZ

Begegnung so vieler Welten.

Wusstet ihr, dass Waden Sexy sind?

Wusstet ihr, dass die Tiwanakus vor mehr als 1000 Jahren die ersten Kraneotomien durchgeführt haben?

Wusstet ihr, dass man Kerzen kaufen kann, um jemandem eine Geschlechtskrankheit zu wünschen?

Wusstet ihr, dass Schuhputzer in La Paz unter schwerer Diskrimierung leiden und deshalb Skimasken tragen?

Wusstet ihr, dass die Bolivianer einmal ihren Regierungspalast gestürmt haben und den Präsidenten am Balkon aufgehängt haben?

Das sind ein paar der vielen Informationen, die in den 1 ½ Wochen, die ich in La Paz verbringen durfte, auf mich eingestürmt sind.

Die Stadt hat eine Kulisse wie ich sonst keine kenne.

Eingebettet in einem kleinen Bergkessel schiebt sie sich die Hänge hoch, bis sie auf dem absolut flachen Altiplano in El Alto übergeht.

Wer nachts mit der Roten Seilbahn hochfährt, dem bietet sich eine Kulisse an leuchtenden und blinkenden Lichtern in einer Perspektive, die dir sonst selten geboten wird.

Den eiskalten Wind nicht zu vergessen. Genauso wie das Auto, das seit Jahren zwischen 2 Felsen hängt und den Menschen Rätsel aufgibt wie: „Wurden die Menschen, die dort abgestürzt sind, je geborgen?“

Auf einer Stadtführung wurden wir manchmal leicht überspitzt in einige Besonderheiten der Aymarakultur eingeführt, der vorherrschenden indigenen Gruppe in La Paz.

Die typische Tracht der „Cholitas“ besteht aus einem knöchellangen bunten Rock, aufgebauscht mit Unmengen an Unterröcken, um die Hüften breiter wirken zu lassen, einer Bluse und einem Hut, einem Melonenhut ähnlich.

Wenn ihnen früher ein Mann gefiel, dann schoben sie ihren Rock etwas hoch um ihm Einblick zu geben auf ihre Waden.

Waren diese muskulös, stand das dafür, dass sie starke, durchhaltefähige Frauen sind, die den ganzen Tag die unzählbaren Berge in La Paz erklimmen können und galten damit als attraktiv.

Früher verschmäht und von Diskrimierung geprägt gilt heutzutage die „Cholita Mode“ wieder als sehr angesehen und würdig, sodass du sie an jeder Ecke findest.

Mit Cholita Hut und Andenpulli fühlt man sich gleich viel Bolivianischer 🙂

Der Hexenmarkt, für den La Paz berühmt ist, entpuppte sich eher als ein absoluter Tourihimmel, in dem du Coca heillos überteuert und ansonsten alles in den typischen Andenmustern bekommst.

Wer aber genauer hinschaut findet neben den Lamaföten, die an jedem Stand hängen, noch andere Schätze, die von dem Hexenkult der Anden zeugen. Lamaföten werden hier in der traditionellen Kultur vergraben, wenn du ein Haus bauen willst.
Von Pulvern, die deinen Liebsten an dich binden, Krebs heilen sollen oder dir einfach nur Kraft und Fülle im Leben schenken sollen, über Kerzen, die deine Exfreundin verwünschen sollen oder euch ewiges Glück schenken, lässt sich eigentlich alles finden.

Wie viel davon heutzutage nur für Touris dasteht und wie viel tatsächlich noch von Bolivianern genutzt wird, lässt sich nicht bestimmen.

Man kann sich aber sicher sein, dass der Glaube an übernatürliche Begebenheiten, sowie an die „Paccha Mama“ in La Paz vermutlich noch sehr viel tiefer geht als in manch anderen Regionen.
So konnte ich in der Nähe des Friedhofs mehrfach längere Schlangen vor dem Kabuff des besten Magiers der Stadt bemerken.

Hexenmarkt!!!

Da ich zwischen dem Besuch von Elias, einem Freund aus Deutschland, der auf seiner Backpacktour bei mir vorbeischneite und Weihnachten mit uns verbrachte, und der Ankunft meiner Mitfreiwilligen mehrere Tage in La Paz Zeit hatte, unternahm ich viel mit Pedro, einem Freund aus Cochabamba, der gerade seine Familie in La Paz besuchte.

Diese zeigte mal wieder auf ihre herzliche, offene, schöne Weise, was Gastfreundschaft in Bolivien bedeutet 😀

Sodass ich sie in meiner Zeit in La Paz mehrfach gerne besuchte.

Dass beide Teile der Familie ein Restaurant besitzen, tut dabei natürlich gar nichts zur Sache „husthust“.

Ich werde auf jeden Fall bei ihnen vorbeischauen, wenn ich wieder mal in La Paz bin.

Dorffest in einem kleinen Dorf in der Nähe von La Paz, dem wir durch Zufall beiwohnen durften. Hier zu sehen „Reise nach Jerusalem“

Damit ihr das Wetter in La Paz ein bisschen besser verstehen könnt, oder vermutlich noch mehr verwirrt seid; ein Tag, den wir so erlebt hatten:

Am 6. Januar morgens kamen die anderen in La Paz an (die anderen, das heißt Clara & Rahel, sowie Klara, Angelika und Lina, drei Freiwillige vom BDKJ Würzburg, die in Santa Cruz eingesetzt sind).

Noch geprägt von der kalten Nachtfahrt gehen wir ein paar Stunden später dick eingepackt los, um uns die Stadt und das „Valle de la Luna“ anzuschauen, eine wunderschöne Felslandschaft eine halbe Stunde von La Paz entfernt.

Im „Valle de la Luna“ erreichte uns dann die absolut glühende Mittagshitze mit Sonnenstichgefahr. Wir natürlich alle nicht eingecremt deckten uns mit Tüchern zu, um nicht verbrannt zu werden und haben das Gefühl, urplötzlich in der Sahara zu sein.

Auf dem Rückweg kam es dann zum absoluten Wolkenbruch, sodass wir klatschnass und klamm im Hostel ankamen.

Abends ging es hoch nach El Alto um die Aussicht zu genießen, wo uns gefühlte Minusgrade erwarteten. Alles in allem also sämtliche Jahreszeiten an einem Tag erfahren.
Wozu braucht man da noch Sommer und Winter.

Valle de la Luna mit Musikunterlegung durch einen Panflötespieler 😀

Dass der da auch ja net danebentritt!!

In Tiwanaku , einer prähistorischen Ruine auf über 4000 Metern Höhe findet man die Spuren einer längst vergangenen Kultur, die erst nach ihrem Untergang Platz für die Inkas machte.

Die Herrscherrasse dieser Stadt spalteten sich von dem Rest der Menschen ab, in dem sie sich als Sonnenmenschen darstellten.

Um sich auch äußerlich von den normalen Leuten zu unterscheiden, verformten sie schon von klein auf ihre Schädel mit Platten und gaben ihnen eine längliche Form.

Das damit Kopfschmerzen einhergehen ist logisch.

Zur Druckminderung bohrten sie bei einigen Personen Löcher in den Schädel.

Schmerzmittel stellten dabei Cocablätter und andere Substanzen da. Es gibt durchaus Belege, dass einige diese Behandlung überlebten.

Da steht man auch nur sprachlos da.

Sonnentor in der Tiwanaku Ruine.

COLONIA NAVIDENA – oder wie beschäftigt man 20 herumwuselnde Kinder von Kindergartenkind zu „Ich bin zu cool für Spiele“ für drei Stunden täglich !!

Und natürlich FROHE WEIHNACHTEN an alle oder so 😀

Falls unter euch jemand dabei sein sollte, dessen Weihnachtsglückwünsche ich unbeantwortet gelassen habe, sei hiermit gegrüßt, es war vermutlich keine Absicht.

Es ist Advents/Weihnachtszeit !!!

Und sie ist absolut anders als in Deutschland.

Dank Regen und Wärme, fehlendem Glühwein und Kinderferienprogramm hat man hier gar nicht das Gefühl, jeden Tag ein Türchen mehr öffnen zu dürfen, sondern eher auf die lang ersehnten Sommerferien hinzuarbeiten.

Aber durch ein paar kleine Dinge versuchen wir uns dann doch, die Weihnachtsstimmung wenigstens etwas aufrecht zu erhalten 😀

Spanische Weihnachtsklänge tönen durch die Wohnung, ich schaue ab und zu ein paar nostalgische Folgen „Weihnachtsmann & CO KG“ und wir versuchen uns trotz fehlender Mandeln und Haselnüssen ( kann man zwar kaufen, sind aber übertrieben teuer ) an ein paar Weihnachtsplätzchen.

Leider verschwinden die immer so schnell, keine Ahnung wo die hinkommen…

Muss ein Kobold gewesen sein, vermutlich ist Pumuckl meinem Laptop entsprungen und hat sich bei uns häuslich eingerichtet, das würde auch das sonstige spurlose Verschwinden von Handys, Taschen und Kopfhörern erklären, genauso wie die stetige Dezimierung unseres Inventars!

Ich sollte wohl mal ein bisschen Leim verschütten…

Auch wenn einige Leute uns schon gefragt haben, ob uns denn jetzt Zuhause nicht langweilig sei, so ganz ohne Arbeit, kann man von viel dazugewonnener Freizeit nicht reden.

Wenn wir nicht gerade Inventur im Projekt machen, die Colonia Navidena vorbereiten oder zu den Brüdern zum Joghurt machen eingeladen sind, stehen Plätzchen backen, Lieder für den Chor üben, oder Weihnachtsfeiern an, denen wir natürlich gerne beiwohnen.

Auch war letztes Wochenende die Promotion ( Abiverabschiedung) von Wara, der Tochter unserer Vermieterin Beatrice, sowie die Firmung ihres Sohnes Diego.

Die letzten zwei Wochen führten wir auf jeden Fall jeden Tag von 15-18 Uhr unser Ferienprogramm durch.

Jedes Kind der Nachbarschaft das wollte/durfte, konnte kommen.

Einzige Vorgabe: eigene Stifte, Kleber und Schere Kosten: 0 BOLIVIANOS 😀

Die ersten Tage bastelten wir ziemlich viel Weihnachtskarten, Sterne etc.

Natürlich sollte auch das Spielen nicht zu kurz kommen, sodass wir neben den täglichen kleinen Spielen zu Auflockerung des Tages auch zwei Große Spieleolympiaden durchführten.

Mjam, lecker 😀

Die zweite Woche konzentrierte sich dann eher auf das Vorbereiten des Chores und des Krippenspiels für die Weihnachtsmesse.

Die kleineren Kinder stellen die Weihnachtsgeschichte nach, während die Großen die Lieder singen und mit Mikrophon die Sprechrollen übernehmen.

Dass unsere Kirche nicht gerade über die beste Akustik verfügt und sehr dazu neigt den Schall zurückzuwerfen, vereinfacht uns die Sache auch nicht gerade, genauso wie das eher unregelmäßige Erscheinen einiger Kinder, sowie ihre Unwissenheit, ob sie an der Weihnachtmesse überhaupt anwesend sein werden. Aber irgendwie haben wir es jetzt doch ganz gut hingekriegt 😀

Kurzer Auschnitt zum SAYATANZEN:

Afrobolivianische Alemanas !!!!

Nein, das ist weder ein Zungenbrecher noch ein schlechter Scherz.

Vor ein paar Wochen war bei uns in der Kirche das Fest der Maria de Guadalupe, der Namensgeberin unserer Kapelle.

Im Zuge dieses Festes gab es eine Entrada (d.h. einen Umzug vom Beginn der neuen Avenida bis zur Kapelle)

Dazu haben die Minkas, die Jugendgruppe der Gemeinde, Saya geprobt und jeder, der wollte, durfte mitmachen 😀 . Deswegen waren wir natürlich ganz vorne mit dabei, als 2. und 4. Reihe 😀 Die 2 Wochen davor waren von täglichem Tanztrainig geprägt, jeden Tag nach dem Projekt 1-2 Stunden mit den Kindern zu proben und ihnen die Schritte beizubringen, die wir gleichzeitig selber lernen durften.

Mit einigen Besuchen einer nahe gelegen Tanzschule perfektionierten wir unsere Schritte (so ungefähr)

Es lief aber irgendwie trotzdem alles absolut chaotisch!

Dazu beigetragen hatte unter anderem :

Die Unwissenheit, welche Kinder mittanzen und welche nicht

Das hin und her Hetzen zwischen Tanzschule und Kinder

Was gibt es zu Essen?

Welche Kinder haben schon gezahlt?

Woher bekommen wir die Musik?

Als dann am Vorabend um 23 Uhr beschlossen wurde, den Gottesdienst nach hinten und die Parade nach vorne zu legen war das komplett 😀

Warum braucht man für den Tanz eigentlich einen Hut, wenn man den eh nie aufsetzt?

Irgendwie haben wir es dann doch ganz gut hingekommen und mussten natürlich, da wir „Gringas“ waren, die einen traditionellen bolivianischen Tanz tanzten, gleich mal für Fotos herhalten.

 

Zum Thema „afrobolivianische Gringas“ :

Unser Tanz „ Saya Afroboliviana“ ist vor mehreren Jahrhunderten in den Reihen der afrikanischen Sklaven entstanden, weshalb es auch heute noch z.B. üblich ist, afrikanische Frisuren zu tragen 😀

Wehe, man verlässt die Formation 😀

Insgesamt äußert er sich also anders , aber Weihnachtstrubel bleibt eben Weihnachtstrubel, sodass wir uns schon sehr auf die Feiertage und vor allem auf die freien Wochen danach freuen, in denen wir viel reisen werden.

Wenn ihr also nach diesem Eintrag eine Weile lang nicht mehr so viel von mir hört, dann liegt das daran, dass ich gerade bescheuerte Bilder in der Salzwüste mache, mir einen leckeren Fisch am Titicacasee schmecken lasse oder auf dem Zwischenseminar an der Hitze in Santa Cruz sterben werde.

Vielleicht schaff ich es ja doch mal zwischendurch einen kleinen Lagebericht zu geben oder ein paar Bilder hochzuladen. 😀

SOMMERFERIEN!!!

Klingt das für euch auch so komisch wie für mich??

Gut, dann bin ich nicht die Einzige.

Während ihr zuhause vor Kälte zittert und euch mit einem heißen Glühwein aufwärmt, lauf ich selten mit mehr als ner Sweatshirtjacke herum, meistens eher ohne.

Wobei es, sobald es sich einmal eingeregnet hat ( Regenzeit hat begonnen), schon ganz schön kalt und ungemütlich werden kann. Vor allem in den letzten Tagen. Brrrr!!

Aber um auf die Sommerferien zurückzukommen:

Vor ein paar Tagen, genauer gesagt am 1. Dezember, fingen hier die zweimonatigen Sommerferien an.

Bevor ihr denkt, dass ich jetzt auch zwei Monate frei hab, muss ich euch leider enttäuschen. Für uns steht jetzt Inventur (Juchu fast fertig) sowie Weihnachtsprogramm für die Kinder an.

Danach haben wir aber tatsächlich ein paar Wochen frei, in denen wir herumreisen werden. 😀

So wie in Deutschland kurz vor den Ferien war auch hier die Schule in den letzten Wochen sehr entspannt, sodass es auch im Projekt entspannt zu ging dank fehlender Pflichthausaufgaben.

Für die letzten beiden Tage hatten wir etwas besonderes geplant:

Einen Musik-, sowie einen Tanzwettbewerb !!!

Bei dem Musikwettbewerb konnte jedes Kind, das wollte, sein Können auf einem Instrument seiner Wahl vortragen.

Dabei gab es auch einige, die sich an den traditionellen bolivianischen Instrumenten versucht haben.

Dabei war z.B. eine Quena :

sehr beeindruckend, dass man es schaffen kann, daraus Töne hervorzubringen, ich habs bis zur Luft geschafft 🙂

Siku (Panflöte) :

Da schaff ich immerhin einige vereinzelte Pfeiftöne, wenn auch nicht annähernd eine Melodie

Sondervorstellung von Matteo ( seht ihr diese prächtig ausgeschnittenen Buchstaben im Hintergrund? Müssen wahre Künstler gewesen sein 😀

Besonders waren an beiden Tagen jeweils die Sonderaufführungen von Mateo, ein circa 9- bis 10-jähriger Junge, der sich ohne zu zögern vorne hingestellt hat und für uns gesungen hat. MIT EINER WAHNSINNSSTIMME.

Leider kann ich in meinem Blog keine Videos hochladen, aber der wäre auf jeden Fall für eine Karierre als Sänger geeignet, sofern der Stimmbruch nichts zunichte macht.

Und sich so jung ohne Angst vorne hinzustellen und zu singen ist meines Erachtens eine beachtliche Leistung.

Am Freitag und damit letzten Tag in diesem Jahr fand der Tanzwettberwerb statt, für den die Kinder in den Tagen davor schon immer fleißig geübt haben, sodass am Ende mehrere Gruppen zustande kamen, die gegeneinander angetreten sind.

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die Leiter auch tanzen sollten, um die Kinder zu motivieren teilzunehmen?

Als „geladene Gäste“ stellten wir die Zwischennummern da.

Falscher Schnurrbart und Sacko sitzen perfekt !!

Rahel und Clara entschieden sich mit Discofox ein bisschen europäische Tanzkultur vorzuführen, während ich mich erstmals an die bolivianischen Tänze wagte und mit Lorena und Ingrid „Tinku“ tanzte.

Wer nicht mehr weiß, was Tinku ist, den bitte ich zu dem Blogeintrag „Tanzen, Tänze , Tänzer!!“ zurückzublättern.

Da das schon immer mein Liebling unter den Bolivianischen Tänzen darstellte, stürzte ich mich mit Eifer hinein und zwang Lorena, es mir sehr gewissenhaft beizubringen, trotz geringer Übungszeit von knapp ner Woche.

Am Donnerstag, dem Tag des Musikwettbewerbs, brachte Lorena dann erstmals die traditionellen Tinkukleider mit und ich wurde ausstaffiert.

Meine Bekleidung bestand aus:

– Einem blauen Kleid, das ich deshalb bekommen hatte, weil es das größte der verschiedenen Kleider war,

– Einer Bauchbinde, auf der groß San Simón stand, der Name der Vereinigung, in der Lorena tanzt

-Einer Bandera, die unter die Bauchbinde geklemmt wurde und, zur Freude der Kinder, wahnsinnig viele Perlen angenäht hatte ( So wie n Schal, nur, dass er an den Beinen herabhängt)

Farbenprächtig, lang und bollerheiß

sind wir nicht schön ? 🙂

Kenner meines Kleiderschrankes können auf diesem Bild gleich drei meiner geliebten Karohemden entdecken, die zusammen mit meinen Röcken als Kostüme genutzt wurden 😀

Dazu kam noch ein Tuch, das zum Glück mit einem einfachen Klettverschluss um den Kopf gelegt wurde und als krönender Abschluss : DER HUT Huihuihui dieser Hut, wie soll ich damit bitteschön tanzen können?? Über 30 cm hoch, mit Federn Stoffstreifen und Pailletten besetzt, die herunterhängenden Fäden nicht zu vergessen.

Irgendwie hab ich es zum Glück doch hingekriegt, ohne dass der Hut runtergefallen ist und Spaß gemacht hat es auf jeden Fall wahnsinnig.

Ich hoffe, ich kriege nochmal irgendwann die Möglichkeit Tinku zu tanzen.

Die Möglichkeit einen anderen Bolivianischen Tanz zu probieren hatten wir erst vor ein paar Tagen .
Aber dazu wann anders mehr…

Zum Thema Eltern :D

Ein kleiner Auszug über das Großziehen von Kindern in Bolivien:

Eine Sache, die du in Deutschland dank vieler Vorurteile und Einschüchterungen fast nicht mehr zu sehen kriegt, ist, wie eine Frau ihr Kind in der Öffentlichkeit stillt.

Diese Pietätsprobleme hat man in Bolivien (noch) nicht.

Da viele Frauen, die zum Beispiel auf der Cancha einen Stand haben, ihre Babys mit auf die Arbeit nehmen, ist es hier ein völlig normaler Anblick.

Auch im normalen Leben, wie zum Beispiel bei einem Elternabend in der letzten Woche, ist es kein Problem.

In einigen Dingen sollten die Deutschen eindeutig was von den Bolivianern lernen.

Zu dem Elternabend.

Das Schuljahr endete hier mit dem 1. Dezember und es haben die Sommerferien begonnen ( komisches Gefühl, ich weiß).

Auf weiße Weihnachten kann ich dieses Jahr wohl vergeblich warten HAHA…

Davor gab es noch einmal den monatlich stattfindenden Elternabend.

Diesmal vor Schuljahresschluss war er natürlich noch einmal besonders wichtig.

Er ist außerdem sehr nützlich, wenn ich euch die bolivianische Zeit im Unterschied zur deutschen Zeit erklären will 😀

Bolivianische Zeit bedeutet, wir setzen den Anfang des Elternabends offiziell auf 18.30 mit dem Ziel um 19.00 anzufangen, fangen ungefähr gegen 19.15 an als so ungefähr fünf Mütter anwesend sind und beenden ihn gegen 20.30, während sich die Zahl mittlerweile auf 10-12 Mütter und Väter erhöht hat. Pünktlichkeit ist eben doch ein deutscher Begriff.

Auf dem Elternabend erklärten Aracely und Ingrid den Eltern, was sie dieses Jahr so mit den Kindern gemacht haben, händigten ihnen auch unsere schön sortierten Ordner mit den außerschulischen Arbeitsblättern von jedem Kind aus (Was haben wir Stunden damit verbracht, sie zu ordnen und einzuheften) und baten die Eltern noch einmal inständig, in den zwei Monaten Sommerferien mit den Kinder zwischendurch Übungen zu machen, damit diese nicht alles in diesem Jahr gelernte wieder vergessen werden und gaben ihnen auch einige Beispiele, wie sie das bewerkstelligen können.

Wir werden sehen, ob es was gebracht hat.

Was auch noch sehr interessant war, war ein kleiner Auszug über bewusste Ernährung, der mit einem Kreisdiagramm unterlegt wurde.

Durch viele Kohlenhydrate und viele gezuckerte Getränke und Speisen ist Übergewichtigkeit ein nicht gerade unerhebliches Problem in Bolivien.

Klar, dass sie auf dem Elternabend versuchten , den Eltern ein bisschen ins Gewissen zu reden.

Weshalb auch die Grafik, mit der sie es unterlegten, selbst aus unserer Sicht etwas übertrieben dargestellt wurde

Wobei wir uns da auch an die eigene Nase fassen müssen.

Zwar ist in unserem Projekt jeden Tag Gemüse oder Salat dabei, über die Menge lässt sich aber noch streiten. Ebenso über das Verhältnis von Kohlenhydraten und Gemüse.

Wobei wir aber auch nur über begrenzte Geldmittel verfügen und Reis nun mal um einiges billiger ist als Karotten in der selben Menge zu kaufen. Die Kinder wollen schließlich auch satt werden :D.

In allem eine sehr interessante Erfahrung für mich , mal so einem Elternabend beizuwohnen, auch wenn ich gesundheitlich etwas geschädigt war und deshalb die von uns am Morgen gebackenen Kekse verschmähen musste ( es waren übrigens 228 Kekse; hab ausnahmsweise mal mitgezählt beim backen. Yummy!!!)

Independencia (2/2)

Jetzt geht’s endlich los und der Bus fährt ab. Die erste Zeit ist die Landschaft noch verhältnismäßig unspektakulär, für mich aber dennoch beeindruckend, dann gings aber endlich steil in die Berge hinauf und hinab, und hinauf und hinab…. Meine erste Andenfahrt bei Tag!

Tiefe Täler, steile grüne Hänge und dazwischen eine schmale Straße, die sich entlangschlängelt.

Ab und zu, gefühlt völlig im Nirgendwo oder an steilen Berghängen, stehen vereinzelte Häuser bei denen du nicht weißt, ob sie noch bewohnt sind oder aus früheren Zeiten stammen.

Lamas haben wir auch ein paar sichten können.

Eigentlich kommen weder meine kurze Beschreibung noch meine Fotos der Wirklichkeit auch nur ansatzweise nahe, aber was soll man machen.

Stellt es euch einfach so beeindruckend wie möglich vor 😀

Dank einem verschmierten Fenster, dass nicht aufging habe ich leider nur sehr wenige Fotos machen können 😀

Gegen Abend sind wir dann endlich in Independencia angelangt, wo wir auch schon von Tabea erwartet wurden.

Auf dem Heimweg wurden wir gleich auf den einzig bislang entdeckten öffentlichen Mülleimer im Dorf aufmerksam gemacht. 😀

Beeindruckend aussehende Kirche oder?

Donnerstag, 2.November Todos Santos ( Allerseelen) (hier im Gegensatz zu Deutschland das wichtigere Fest der beiden).

Am morgen um 9 gings erstmal auf den Friedhof zum Gottesdienst.

Dieser war teils auf Quechua und teils auf Spanisch.

(Bis ich da erstmal draufgekommen bin, dass ich nicht schlecht Spanisch kann, sondern dass er einfach teilweise kein Spanisch spricht, hat merklich zu lange gedauert.Ich schreibe es der frühen Stunde und der knallenden Sonne zu, die wenig Schatten ließ. :D)

Nachmittags kehrten wir wieder auf den Friedhof zurück. Wir wollten ja schließlich die Traditionen hier miterleben.

Der Friedhof hatte sich bis dahin deutlich gefüllt, im Gegensatz zu den vereinzelten Gestalten beim Gottesdienst am Morgen.

Die Gräber der Personen, die weniger als drei Jahre tot waren, waren besonders geschmückt mit Art aufgebauten Altaren vor denen die Familie saß.

Doch erstmal noch zu den Geschehnissen vor dem Beten.

Das BKHW hat, was wir nur am Rande mitbekommen hatten, eine Versammlung einiger Freiwilliger auf diesen Tag gelegt, sodass wir plötzlich im Kreise von gut 20 Deutschen saßen.

Was wohl die Bolivianer da über uns geredet haben?

Es war auf jeden Fall sehr interessant sich mit den anderen austauschen zu können.

Dann machten wir uns auf zum „Beten“.

Das heißt in diesem Fall über den Friedhof laufen, zu den geschmückten Gräbern gehen und fragen, ob man für die jüngst Verstorbenen beten darf.

Falls erwünscht stellst du dich hin, ratterst ein paar Ave Maria oder Vater Unser runter (auf Deutsch und Spanisch) und bekommst als Dank, dass du ihnen hilfst, das Himmelreich zu erreichen, Unmengen an Brot oder Süßigkeiten, die auf Tischen vor den Gräbern ausliegen.

Lila und Schwarz waren die vorherschende Farben dieses Tages 🙂

Tatsächlich haben in diesen Tagen die meisten Bäckereien geschlossen, da es auf dem Friedhof genug für alle gibt. Leider haben wir es nicht geschafft alles Brot, das wir bekommen haben zu verbrauchen, bevor es uns verschimmelt ist.

Was bei vielen noch dazukam, war auf eine Schale Chicha eingeladen zu werden.

Chicha ist eine Art Maismost für den Independencia berühmt ist.

Ablehnen kannst du natürlich schlecht ohne unhöflich zu sein, nur über die Menge ließ sich streiten.

Wenn wir an jedem Grab jeder eine Schale Chicha getrunken hätten, so wie von ihnen gewünscht, hätten wir es vermutlich nicht mal über den halben Friedhof geschafft, der bei einem paar tausend Seelendorf nicht überragend groß ist.

Teilen hieß die Devise und einen großen Schluck an „Pacha Mama“ spenden, d.h. den ersten Schluck auf den Boden schütten um „Mutter Erde“ zu würdigen.

Ich seh schon die entsetzten Blicke vor mir, wenn ich das Zuhause mit einem Bier machen würde.

Mord und Totschlag gäbs da 😀

Dennoch kamen wir nicht immer darum herum und waren deshalb auch ganz froh, den Friedhof irgendwann wieder verlassen zu können 🙂

Ich persönlich finde diese ganze Idee sehr schön, da es alles in einer sehr gelösten, fröhlichen Stimmung stattfand, und nicht wie bei uns nur aus Stille und Trauer, den Toten aber dennoch würdig gedacht wird.

 

Samstags spannten wir nach der anstrengenden Wanderung am Vortag (Siehe vorheriger Blogbeitrag)

erst einmal aus und vertieften uns in wilde Kartenspielpartien.

Wir wussten ja schließlich, dass es nach dem Mittagessen zur SCHAUKEL ging.

Wer dadurch jetzt etwas verwirrt ist, glaubt mir, ich war es auch erstmal.

Noch zum Fest von Allerheiligen dazugehörend wurde im Garten des anderen Zentrums eine gut zehn Meter hohe Schaukel aufgebaut, etwas improvisiert wirkend, aber dennoch sehr sicher , zumindest wenn ich drauf saß.

Ein paar Meter entfernt gibt es noch ein kleineres Tor, an dem kleine Körbchen aufgehängt werden.

Diese sind dazu da um „runtergeschaukelt“ zu werden.

Das kleine Tor schon zum Runterschaukeln bereitgemacht 😀 Das Foto , bei dem man mich beim Schaukeln auf der Riesenschaukel sieht lässt sich leider aus Formatgründen nicht hochladen..

Runterschaukeln heißt, beim Schaukeln – du musst übrigens nicht selber schaukeln , sondern wirst von zwei Leuten mit Seilen angeschaukelt – mit den Füßen den Korb zu packen und runterzureißen.

In den Körbchen sind Brote, gekochte Eier, Süßigkeiten oder sonstige Kleinigkeiten.

Außerdem kann es dir passieren, dass auch ein Zettelchen drin steckt mit einer Aufgabe fürs nächste Jahr.

Alles in Allem eine sehr interessante Tradition :D.

Runtergeschaukelt habe ich zwar nichts, konnte dafür aber einfach so die Schaukel nutzen, um „in den Himmel“ zu schaukeln 😀

Danach sind Sofia und ich noch mit zu einem Fest, zu dem uns Jonas, ein anderer Freiwilliger aus Independencia, eingeladen hat.

Stattgefunden hat es in einem Innenhof an dessen Rand überall Leute saßen.

Wir haben erstmal eine Weile gebraucht, um den Grund des Festes zu erfahren und zwar der erste Haarschnitt der kleinen Tochter des Veranstalters, die mit ihrer Mutter auf einer Decke saß.

Wir haben natürlich auch an den Traditionen teilgenommen, d.h. ein bisschen Geld zu spenden und im Gegenzug dafür eine Haarsträhne des Kindes abzuschneiden.

Danach mussten wir sowohl Kind und Mutter mit Konfetti bestreuen und wurden im Gegenzug auch mit Konfetti bestreut.

Als besonderen Dank hat man uns danach noch ein Bier in die Hand gedrückt , das wir natürlich schwer ablehnen konnten 🙂

Gegen halb 11 machten wir uns wieder auf den Heimweg es gibt ja schließlich „DIE HUNDE“!!

Das Centro Social hat sich nach einigen dreisten Diebstählen vor ein paar Jahren vier Deutsche Schäferhunde angeschafft, die nicht so ganz zu der Sorte Schmußehündchen zählen.

Tagsüber im Zwinger eingesperrt, aus dem sie nur während der Essenszeiten freigelassen werden, sind sie ab halb 11 in der Nacht frei unterwegs.

Wer nach dieser Uhrzeit heimkommt, oder so wie wir sein Badezimmer auf dem Innenhof hat und ein paar Meter laufen muss, sollte sich mit einer Flasche Wasser bewaffnen.

Das hält sie zumindest außer Reichweite .

Und wer jetzt denkt ich übertreibe doch bestimmt:

Es gab bis vor ein paar Wochen eine Katze im Projekt.

Diese „pobre gato“ existiert nicht mehr… war anscheinend nicht schnell genug, oder hatte eben keine Flasche Wasser bei sich…

Mit dieser Geschichte im Hinterkopf haben wir uns immer zweimal überlegt, ob denn der nächtliche Klogang zwingend nötig ist…

Noch ein kurzer Auszug über Flaschengröße in Bolivien :

In Deutschland haben wir ja normalerweise einige unterschiedliche feste Größen, wie 0,5L, 0,33l oder 1,5l.

Was mir bis jetzt in Bolivien so an Größen begegnet sind :

Wasser 600ml Flaschen normalerweise

Bier 0,33 Dosen oder je nach Marke 720ml , 500ml oder 640ml Flaschen

Cola von 133ml bis 3Liter Flaschen alles mögliche

Milch in 960ml Beuteln

Und da soll einer durchblicken!

Independencia!!!!! (1/2)

Es ist soweit, unser erster Kurzurlaub beginnt 😀

Es ist Mittwoch. Der 1. November kurz nach 12 und wir sitzen in Quillacollo auf dem Hauptplatz, essen noch schnell unser Mittagessen und warten auf unsere Reisegefährten.

Mit Reisegefährten meine ich Julia, Zoe und Theresa (samt Laura, ihrer 3 jährigen Tochter), auch Freiwillige in Cochabamba, jedoch von einer anderen Organisation.

Da ich über den Urlaub in Independencia wirklich unglaublich viel zu erzählen habe, bzw die Eindrücke erst mal ordnen muss, kommt hier erst mal ein Ausschnitt, eigentlich aus der Mitte des Urlaubs 😀

Schon mal ein kleiner Eindruck für euch, wie Independencia aussieht und wo es liegt 😀

Der Rest wird noch folgen!!!

Freitag, Halb 2 !

Nachdem wir am Morgen einen entspannten Dorfbummel gemacht haben, bei dem wir, verzweifelt auf der Suche nach einer großen Flasche Wasser, schlussendlich die Flasche und Bananenchips, die nach Apfel schmecken, gefunden haben und auch das Mittagessen um 11.45 gut überstanden haben, warten wir nun gespannt auf Carmen, unsere Mentorin vom BKHW.

Sie war in Cochabamba vor allem für unser Visum zuständig, studiert dort Biochemie, kommt aber ursprünglich aus Independencia, weshalb sie ebenso wie wir die Feiertage genutzt hat, um ihre Familie dort zu besuchen.

Auf jeden Fall kennt sie eine super Wanderung zu einem Wasserfall, die soll total schön sein und der Weg „tranquila“ (entspannt).

War er zu anfangs auch…

Einige Zeit den Berg hoch mit super Aussicht sind wir dann irgendwann am Ende eines kleines Baches angekommen und haben kurz Pause gemacht. Die Aussicht war traumhaft schön, mit den Berghängen der Anden, auf denen verschiedene Eukalyptus- oder normale Wälder standen.

Erste Versuche durchs Flussbett

Wir hatten ab da die Wahl zwischen Flussbett „tranquila und nicht in der Sonne“ oder normaler Weg „anstrengend und in der Sonne“. Natürlich haben wir uns fürs Flussbett entschieden und es ging los. Während es am Anfang noch recht leicht über „Stock und Stein“ ging, wurde es dann irgendwann eher zu „Baum und Fels“.

Ob meterhohe Felsbrocken, seitlich am Hang entlang kletternd, kriechend oder springend; der Weg hat uns jedes Mal aufs Neue überrascht und war das Gegenteil von „tranquila“ (übrigens ein Wort, dass Carmen sehr gerne benutzt, genauso wie „Chill deine Basis“).

Sie hat leider das Talent, es genau zu den unpassendsten Momenten zu gebrauchen.

Gruppendynamisch war es auf jeden Fall ein Gewinn, würden irgendwelche Therapieexperten jetzt bestimmt erklären, denn alleine könntest du diesen Weg gar nicht bewältigen.

kurze Rast auf dem Felsen samt Photocrash meinerseits 😀

Wie die da wohl hochgekommen sind?

Natürlich hatten wir auch Theresa und Laura dabei, was uns nochmal vor eine extra Herausforderung gestellt hat. Aber auch sie haben wir irgendwie immer hochgehievt, gehalten und gesichert bekomen.

Nach 3-4 h ungesichertem B Klettersteig im Flussbett sind wir gegen ¾ 6 schon ziemlich erschöpft am Wasserfall angelangt.

Zu dieser Zeit hätten wir eigentlich schon wieder zurück und beim Abendessen sein sollen…

Der Wasserfall war auf jeden Fall schlussendlich nur ein Rinnsal , da ja momentan Trockenzeit ist.

Auf die Regenzeit bin ich auf jeden Fall schon echt gespannt, v.a. da Pinami kein komplett verschlossenes Dach hat. Wir werden sehen 😀

Tatsächlich haben wir glaub ich kein einziges Foto von diesem „Wasserfall“, da wir zu dem Zeitpunkt schon dezent angenervt waren. Als wir dort ankamen hieß, es der schwere Teil ist geschafft ab jetzt „ tranquilla“ . Vermutet ihr schon wie „tranquilla“ der Rückweg war??

„tranquilla“ bedeutete für sie auf einem ca.25cm breiten, bröckeligen und zugewucherten Pfad am Hang entlang.

Aus den angekündigten 20 min, nach denen wir auf nen normalen Wanderweg stoßen sollten wurde eine Stunde, immer mit dem Gedanken im Kopf, dass es gegen 7 ziemlich schnell stockdunkel wird , und man auf diesem „Weg“ echt nicht ohne Licht laufen wollte.

Laura, durch die vorherigen Strapazen verständlicherweise bis an die Grenzen erschöpft wurde abwechselnd von Theresa und Carmen getragen .

Zum Glück haben wir es noch gerade rechtzeitig zur Dämmerung heilfroh auf den normalen Wanderweg geschafft.

Darauf folgte erstmal ein Kamera Selfie auf der Kuhweide 😀

Bis wir zu Hause waren, sind wir allerdings trotzdem noch ne Stunde gelaufen.

Alles in Allem ein ziemliches Abenteuer, das zum Glück ein gutes Ende gefunden hat 😀

Und ob Carmen diesen Weg je schonmal gelaufen ist, was, wenn es so wäre, echt unverantwortlich gewesen wäre, ihn ohne Vorwarnung mit uns zu laufen, v.a. mit Laura , oder ob sie ihn nur vom Hören kannte, werden wir wohl nie erfahren !!

La Cancha – Flachbildschirme, Ballkleider , geklaute Handys !!!

Ein Areal, Verkäufer, alles, was dein Herz begehrt: La Cancha!!!!

Die Cancha ist eines der beeindruckensten Phänomene, denen ich bis jetzt hier begegnet bin.

„La Cancha“ ist spanisch für „der Platz“ und bezeichnet den großen, zentralen Marktplatz in Cochabamba.

Falls ihr euch wundert „so viel ist doch gar nicht los“ wir waren bei diesem Bild auch am Montagmorgen unterwegs, was nicht gerade der Stoßzeit entspricht 🙂

Wobei man Platz eigentlich nicht sagen kann. Das Areal, teilweise kleine Hallen oder überdachte Gänge mit lauter kleinen Läden, ist so unübersichtlich, wie es belebend und sinnesüberfordernd ist.

Der Blick von oben drauf würde mich echt mal interessieren, da ich aber weder nen Hubschrauber noch ne Drohne hab und Google bis jetzt noch nicht so viel hergibt, muss ich mich mit dem Blick von vorne begnügen. Spenden dieser Hinsicht werden sehr gerne angenommen 😀

Du kommst mit dem Truffi an und bist zu Beginn bei lauter Fahrradreparaturläden (wobei Läden 4qm (wenn überhaupt) bedeutet, vor denen die Händler sitzen), während auf der Straße fahrenden Wägelchen Ananasstücke, frisch gepresster Orangensaft, salziges Popcorn, verschiedene Mittagessen und vieles mehr verkaufen.

Weiter geht die Reise an Straßenständen und Wägen vorbei. Was? Du sagst 10 Blumenstände nebeneinander sind unlogisch?

Ja, sag ich auch, aber des stört hier keinen. 😀

Ganz viele Leute breiten auch einfach eine Decke auf dem Gehsteig aus und verkaufen da , was sie eben gerade anzubieten haben 😀

Alles an Obst & Gemüse, was du brauchst, und dabei so lecker aussehend , dass du gleich reinbeißen möchtest 😀

Irgendwann beschließt du, du wagst dich hinein ins große Ungewisse, mit der Hoffnung, auch wieder einen Weg nach außen zu finden.

Innen – ich habe versucht eine grobe Karte vom Gelände aufzutreiben, bin bis jetzt aber auch noch nicht fündig geworden – reihen sich Gänge um Gänge kreuz und quer durch die Hallen, sodass du nach 3 mal abbiegen Schwierigkeiten hast, zu sagen , wo Ost und West ist, bzw. viel wichtiger, wo dein Truffi wieder nach Hause fährt.

An den Seiten reihen sich lauter kleine Läden, in denen sich die Verkaufsgegenstände bis an die Decke türmen.

An dem Stand läuft bestimmt so manches kleines Mädchen vorbei und hat den Traum, ein Prinzessinnenleben zu führen 🙂

Es gibt an sich schon unterschiedliche Bereiche, wie die Touriecke, Hightecgeräte (Ja, auch die riesigen Flachbildschirme und Waschmaschinen werden dort auf „offener Straße“ verkauft.) oder das Klamotteneck, allerdings gibt es überall Ausreißer aus diesem System, sowie unübersichtliche Wechsel von einem zum anderen. Dazu kommt, dass wahnsinnig viele Läden mit bunten Farben hervorstechen, die deine Sinne bis zur Fülle ausreizen.

Sowas findeste bei uns nicht so schnell neben dem Gemüsemarkt 😀

Um kurz auf das Popcorn zurückzugreifen: In Bolivien ist ALLES mit Zucker. Ob Refresco, Brot, Empanadas oder Pizzateig, in allem ist etwas Zucker beigemischt. Da erwartest du natürlich das süßeste Popcorn , das du dir vorstellen kannst. Stattdessen gibt es, außer ab und zu in Kinos, ausschließlich salziges Popcorn. Ich finds super! Verwirrt über den fehlenden Zucker ist man trotzdem.

Außerdem ist es mengenmäßig extrem billig und extrem lecker. SUCHTGEFAHR!!! 😀

Willst du auf der Cancha einkaufen, musst du besondere Vorsicht walten lassen, da gerade solch ein Ort für Diebe perfekt ist.

Wer sich jetzt denkt „Ach, des wird uns schon nicht passieren“ hat genau wie wir auch FALSCH GEDACHT.

Vor ein paar Wochen war ich mit Clara auf dem Weg zu unserer zweiten Einsatzstelle (Rahel war leider krank) und wir mussten wie sonst auch an der Cancha umsteigen. Nachdem wir Dank einer Versammlung von Trufifahrern länger als sonst auf das richtige Trufi warten mussten und somit schon ziemlich spät dran waren, schrieb Clara zur Sicherheit unserer Mentorin, um zu sagen, dass wir kommen so schnell es geht.

Als dann 10 min später tatsächlich das richtige Trufi erschien. Clara, völlig auf die Antwort von Maria-Luisa fixiert, hat ein einziges Mal die Sicherheitsregeln für die Cancha und Trufis nicht bedacht und konnte so schnell gar nicht schauen, da wurde ihr das Handy schon durch das offene Fenster herausgeklaut. Sie wollte natürlich noch schnell rausspringen und hinterherlaufen, worauf der Trufifahrer nur ganz ruhig meinte „des bringt eh nichts, der ist scho weg“. Ein kleiner Trost ist immerhin, dass das Handy ziemlich alt war und dank 2 Wasserschäden auch nicht mehr voll funktionstüchtig.

Dafür wird er nicht mehr viel bekommen. Muhahaha

Wenn mal kein Wellblechdach da ist reicht auch ein Stück Plane um Schatten zu spenden 😀

Tanzen,Tänze,Tänzer !!

Diese Röcke!!! Ich bin begeistert

Auch der Nachwuchs übt sich schon in prächtigen Gewändern

Wir werden hier immer wieder gefragt „ Was ist denn ein typisch deutscher Tanz ???“, worauf wir leider eher schlecht als recht mit „Mh, Schuhplattler, aber nur in Südbayern, Walzer, aber des ist ja eigentlich aus Österreich, ansonsten Garde, Discofox vielleicht oder Rock´n Roll, der kommt aber eher aus Nordamerika.“ stammeln können.

Im Gegensatz zu unserer Heimat, in der diese Art der Kultur größtenteils verloren gegangen ist, existieren in Bolivien noch ganz viele klassische Volkstänze aus den unterschiedlichsten Regionen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Um einige aufzuzählen:

Salay, Cochabamba: dieser Tanz erfreut sich momentan in Cochabamba großer Beliebtheit, weshalb es unendlich viele Tanzgruppe gibt. Er ist eher ruhiger und sittlicher jedoch mit sehr schönen einfarbigen kurzen Röcken mit Spitze

Salay, hier getanzt von den Firmlingen der Kirche 🙂

Tinku : Dass sie Barfuß sind und die Straße rau stört sich nicht 😀

Tinku, Potosí: mein Liebling,da er so viel Bewegung und ausgefallene Schritte, wie Hüte auf den Boden klatschen oder Arme und Beine durch die Luft wirbeln innehat, außerdem sind die Kostüme KNALLBUNT mit lauter bunten Schals, die um die Hüfte hängen. Oh, und coolen Wollmützen und Sandalen mit Wollsocken drin.

Köstüme , die mein Farbenherz Luftsprünge machen lassen 😀 Diesmal mit den klassischen Sandalen und Wollsocken !

Diabladla, Berwerksgebiete rund um La Paz: Diesen Tanz find ich besonders einfallsreich, da er einen Art Kampf /ein Gleichgewicht zwischen Engeln und Teufeln darstellen soll. Die Bergleute, die unter sehr schlechten Bedingungen teilweise Zwangsarbeiten mussten/ müssen, empfinden unter der Erde den Teufel und über der Erde die Engel. Eine andere Interpretation ist auf einen Gott der Indigenen zurück zu führen, der unter der Erde haust und dem die Bergleute Opfergaben dargebracht haben, um ihn milde zu stimmen und der seither für die sorgt.

Die Tänzer müssen am Anfang wählen ob sie Teufel oder Engel sein wollen. Oh, oder der Tod mit Scream Maske und Sense. Die Yetis nicht zu vergessen, die schön pummelig durch die Gegend pummeln.

Da fühlt man sich gleich wie an Fasching

Corporal ! Einer dieser Tanzgruppierungen ist unsere Vorgängerin beigetreten. Und ja ich habe bemerkt wie kurz die Röcke sind 😀

Waca-Waca, konnte keinen spezifischen Herkunftsort entdecken: Stierkampf der etwas anderen Art: Der Großteil der Männer hat Stier/Kuhattrappen um den Bauch geschnallt, die sie mit sich rum tragen. Diese sind meist bunt bemalt.

Die Frauen tragen weite Röcke und Ratschen, wobei die Röcke nur so durch die Gegend fliegen.

Außerdem gibt es noch ein oder zwei Stiertreiber, die die Stiere auf dem richtigen Weg halten sollen, sowie ab und zu eine spanische Flamencotänzerin.

Leider hab ich es bis jetzt noch nicht geschafft, so ein Stierkostüm zu ergattern und auszuprobieren.

Waca Waca: Ob sich echte Stiere wohl auch so eine Farbenpracht wünschen?

Und entdeckt ihr die Addidashose?

Hab ich eigentlich die Blaskapellen schon erwähnt??

Wie konnte ich die Blaskapellen vergessen??

Und nein das waren nicht alle Tänze, es gibt noch viele weitere, aber alle aufzuzählen und zu erklären ist zu umständlich

Wen des Thema interessiert dem rate ich zu Wikipedia „Bolivianische Tänze“. Gibt gar keinen schlechten Überblick 😀

Um zu den Blaskapellen zurückzukehren. Auf einem Fest, samt Umzug mit Tanzgruppen, muss die Musik ja irgendwo herkommen. Dass aber fast jede Tanzgruppe ihre eigene Blaskapelle am Start hat, und es gibt VIELE Tanzgruppen, des denkste jetzt aber auch nicht gleich.

Laut meiner Hochrechnung / Gefühl muss ungefähr jeder 2.Bolivianer in einer Blaskapelle oder Tanzgruppe sein. Oder jeder der in einer ist auch noch in zwei weiteren.

Wo durften wir eigentlich diese ganze schönen Tänze betrachten?

 

STRASSENFESTE !!!

Was ich hier ja schon etwas vermisse, v.a. weil gerade die Zeit dafür ist, sind Kerwas und Bockbieranstiche.

Aber was ich stattdessen gefunden habe sind Straßenfeste 😀

Da sie auch den Ursprung in einer Kirchen- oder Heiligenfeier haben, ähneln sie eher Karnevalsumzügen mit Kerwaständen. Es gibt zahllose Straßenessen, laufende Grillwägen und Verkäufer, die Bier, Zuckerwatte und sonstigen Schnickschnack parat haben. Selbst diese bunten Kreisel, die du in die Luft schleudern kannst, gibt es zu kaufen. Dazu kommen Trampoline und Hüpfburgen für die Kinder, sowie Versteigerungen, Wurfbuden und Kicker für die Älteren.

Natürlich darf man bei all dem den Umzug nicht vergessen, der ausschließlich aus verschiedenen Tanzgruppen samt ihrer Blaskapelle besteht, denen Zwischendrin Autos mit aufgeschnallten Heiligenfiguren, Spielzeuglamas mit Hüten oder sonstigem Gewörch folgen.

In allem eine sehr beeindruckende Vorstellung. 😀

Quinceaños – breakdancende Clowns, hohe Schuhe und Schokofrüchte.

Quinceañera, oder breakdancende Clowns, hohe Schuhe und Schokofrüchte.

Bei uns gibt es ja auch diese großen Geburtstage, die man für gewöhnlich sehnsüchtig erwartet. Diese sind im Normalfall der 16. und der 18. Geburtstag, allein schon deshalb, weil deine Rechte gewisse alkoholische Substanzen zu dir zu nehmen erheblich verbessert werden.

(In Bolivien ist, wie in den meisten anderen Ländern, Alkohol grundsätzlich erst ab 18 erlaubt, wobei die Kontrolle dahingehend nicht sonderlich streng ist.)

Für Bolivien wichtig ist bei Mädchen der „Quinceaños“ (15. Geburtstag).

Dieses Fest hat seinen Ursprung in Südamerika und wird noch heute in vielen Ländern Südamerikas gefeiert und bezeichnet traditionell den Übergang vom Mädchen zur Frau.

Früher wurden die Mädchen in den Jahren vor ihrem „Quinceaños“ auf die Pflichten und Kenntnisse einer Frau vorbereitet.

Mittlerweile hat sich dieser Tag, sofern er zelebriert wird, zu einem rauschenden Fest gewandelt.

Wir durften vor ein paar Wochen so ein Fest selber miterleben.

Wobei das „dürfen“ so eine Sache war, ohne Eintrittskarte oder Leute, die wir kannten 😀

Aber zum Glück hat es, sobald wir drinnen waren, keinen mehr interessiert, ob wir den Namen der Quinceañera (Ruth) wissen :).

Stattgefunden hat das ganze in einem schön geschmückten Saal, der ,laut Pedro, sogar noch verhältnismäßig klein war. Für einen Jugendgeburtstag nach unseren Verhältnissen riesig.

Alles hat mich eher an eine kleine Hochzeit erinnert, mit Kellnern und Band.

Obwohl wir schon ne Stunde später kamen, mussten wir dennoch noch einige Zeit auf den großen Augenblick warten. Der Augenblick, in dem die Quinceañera in den Raum schreitet!

In einem Bodenlangen weiß schwarzen Kleid mit orangenen Highlights schritt sie die Treppe der Galerie hinunter um unten von einigen Jungen mit Rosen in den Händen erwartet zu werden, die sie ihr zu Füßen legten. Empfangen wurde sie danach von ihrem Vater, der mit ihr einmal durch den ganzen Raum schritt und danach den ersten Tanz mit ihr tanzte. Die Jungs, die Rosen wieder eingesammelt, legten sie ihr abermals zu Füßen, diesmal in einem Kreis um die Tanzenden herum. Während des Tanzes wurden diese dann von ihr und ihrem Vater aufgesammelt. Aufgezeichnet wurde das ganze natürlich von einer Kamera, die ihr durchgängig folgte und auch den restlichen Abend über stets präsent war.

In allem eine sehr eindrückliche Vorstellung die nur davon etwas überschattet wurde, dass die Quinceañera auf ihren hohen Schuhen, die sie vermutlich anziehen musste, damit das Kleid passt, eher schlecht als recht laufen konnte. Auch war ihre Laune eher weniger so, als ob es der schönste Abend ihres Lebens wäre. Da ich aber nicht eingeladen war, war ich jetzt nicht unbedingt die erste, die hin ist, um zu fragen was los sei.

Nach diesem großen Auftritt und dem obligatorischen „Feliz cumpleaños“-Gesinge begann sich die Tanzfläche langsam zu füllen, und die BAND, samt FRONTTÄNZERINNEN zu spielen. Interessant dabei war, dass man tatsächlich ausschließlich zu zweit tanzen konnte. Alleiniges Rumgehopse wie bei uns gab es kaum .Wir haben uns natürlich auch irgendwann auf die Tanzfläche und zum Buffet gewagt.

Warten auf die Quinzeañera!! leider hab ich nicht mehr Bilder von dem Abend, da ich mein Handy daheim gelassen hatte. Aber ich hab ja noch n bissl Zeit für einen weiteren Quinzeaños 😀

Die Gäste ,~70-80 Leute, waren natürlich auch alle aufgetakelt, mit Anzug, kurzen, schicken Kleidern und so hohen Schuhen, in denen ich als 15 Jährige beim ersten Schritt sicherlich galant den Boden gegrüßt hätte 🙂

Um 12 oder so kam dann die „HORA LOCA“, bei der urplötzlich Clowns und Mädels in Tütüs hereingestürmt kamen und alle auf die Tanzfläche zogen. In der wurde eine Mitte gebildet , in der einer von ihnen krasse Breakdancemoves vollführte, bis er von einem , vermutlich leicht angetrunkenen, Gast abgelöst wurde, der ziemlich beeindruckend „Michael Jackson“ Style mäßig tanzen konnte.

Gegen 2 hat sich das ganze dann langsam aufgelöst, wobei lustigerweise am Schluss Folkloremusik gespielt wurde, die aber für die meisten eher als Rausschmeißer wirkte, sofern man die typischen Schritte nicht kann 🙂

Perros, gatitos(gatos) & und sonstige Tiervorkommnisse

Weg zur Arbeit. Es ist kurz nach 9 Uhr morgens, wir natürlich wie immer etwas knapp dran, gehen die Treppe nach unten. Dort werden wir schon freudig begrüßt von 2-3 ganz reizenden Hunden mit Namen wie „ Hilde“ oder „Princesa“. Diese Hunde, die nachts jeden Vorbeilaufenden anbellen, damit er auch ja nicht auf die Idee kommt, unser Haus auch nur zwei Mal anzuschauen (ich mein wozu braucht man denn Nachtruhe), sind tagsüber wahnsinnig anhänglich und freuen sich, wenn du sie auch nur mal anblinzelst. Da wir leider die spanischen Begriffe für „Sitz“,“Platz“ oder „Bitte spring nicht an mir hoch, während ich die Treppe hoch laufe und die Hände voll habe“ nicht immer parat haben, gestaltet sich das Zusammenleben mit ihnen noch etwas gewöhnunngsbedürftig.

Hast du es dann einmal bis zum Tor und auf die Straße geschafft, heißt das noch lange nicht, dass du damit auch tierfrei bist. Vor allem Hunde gibt es hier an jeder Straßenecke, wobei nicht immer ganz klar ersichtlich ist, ob es sich um Straßenhunde handelt, die niemandem gehören, oder die Hunde nur einfach gerne vor den Häusern ihrer´Herrchen Wache liegen.

Ich glaube ja man kann Menschen in 2 Kategorien einteilen. Katzen- und Hundemenschen!

Und wer jetzt denkt „Stimmt doch gar nicht, ich mag beides!!“ – gebt es ruhig zu, ihr habt einen heimlichen Favoriten 😀 Wer immer noch anderer Meinung ist, darf mich gerne benachrichtigen und seine Gegenargumente vorbringen.

Wer mich kennt, der muss nicht lang nachdenken und weiß, ich gehör eindeutig zur ersten Kategorie. Klar Hunde sind lieb und freundlich und treu und alles, aber mein Herz schlägt bei Katzen einfach höher. Weshalb ich mich hier auch auf jede Katze, die Bekannte von uns haben, stürze, um wenigstens ein bisschen den fehlenden Kater an meiner Seite auszugleichen. ( UND NEIN, ER IST NICHT GESTÖRT, NUR SEHR LEBHAFT UND UNDURCHSCHAUBAR :D).

ist der Kleine nicht goldig!!!

Wie gut trifft es sich da, dass Aracely, unsere Mentorin, momentan 4 süße Babykätzchen hat. Hätte Clara keine Katzenhaarallergie, wäre eines vermutlich schon auf unerklärliche Weise verschwunden und in unserer Wohnung wieder aufgetaucht. Verrückte Zufälle soll`s geben.

Einige andere Anekdote zwecks Tierhaltung in Bolivien:

Wie oben schon erwähnt laufen Hunde hier relativ frei herum

(Ein Glück gab es vor ein paar Tagen eine allgemeine Tollwutimpfung, bei der jeder seine Haustiere vorbeibringen konnte, welche dafür mit einem gelben Halsschmuck belohnt wurden, um die ungeimpften von den geimpften unterscheiden zu können).

Erstaunt bist du dann aber doch, wenn du bei deinem Projekt vor die Tür trittst und neben einigen Hunden auch eine Ziege auf dem Hof siehst, die anscheinend in ihr Rudel mit aufgenommen wurde. Warum auch nicht ? Wir wollen hier ja keine Ziegen diskriminieren, die gerne mal Hunde wären.Kurz irritiert ist man trotzdem.

Ein anderes Mal laufen wir zur Arbeit und auf einmal kommen uns 3 Kühe entgegengerannt. Sie sind leider nicht stehen geblieben, um uns ihr Ziel zu verraten, es wirkte aber überaus dringend.

Allgemein gibt es hier viele Leute, die Kühe oder sonstige Nutztiere halten, sodass sie dich öfters mal aus den Gärten anglotzen . Das hätte bei mir schon fast einen Unfall verursacht, weil die Kuh mich so abgelenkt hatte, dass ich das Loch in der werdenden Straße fast übersehen hätte. Zeichen von Schuldgefühlen oder Schadenfreude konnte man bei ihr allerdings nicht erkennen.